Montag, 31. Januar 2011

Der demütigendste Moment des Tages


Ich sitze, wie so oft, im Zug. Und gerade wurde ich eines Anblicks habhaft, der in seiner erschreckenden Wirkung und absoluten Unschönheit sicherlich von nichts mehr übertroffen werden kann in den nächsten 24 Stunden. Deswegen taufte ich ihn noch in der Sekunde des Geschehens auf den in der Überschrift vermerkten Namen.
Zur Sache: Wer hätte ahnen können, daß der Zug von einer großen Metropole in NRW zur nächsten um acht Uhr morgens brechend voll ist? Genau. Niemand. Deswegen saß ich mal wieder vollkommen unvorbereitet auf diese Situation und daher zurecht erzürnt auf den Stufen, die in das obere Stockwerk des Regionalzugs führen (in Ermangelung besserer Sitzplätze und ja, unter Inkaufnahme einer Infektion mit Hepatitis A, B, C, X, Y oder Z). Es trug sich zu, daß der Zug irgendwann so voll war, daß auch keine weiteren Stehplätze als die auf den Stufen verfügbar waren. Und da nahm das Inferno seinen Lauf… die Menschen hatten sich also positioniert, der Zug fuhr los, doch irgendwas stimmte nicht. Meine Fledermausohren detektierten monströse Erscheinungen in unmittelbarer Reichweite.
Ich legte also, detektivisch veranlagt, wie ich bin, den Kopf in den Nacken, nichts böses ahnend – und da war er. Wobei das Verb „sein“ der massiven Erscheinung sicherlich nicht mal im Ansatz gerecht wird. Über mir prangte, ja, thronte ein riesiger, dicker Arsch. Er „war“ da nicht nur, er  imponierte furchteinflößend, er kränzte mein Gesichtsfeld wie ein adipöser, fettgleißender Heiligenschein. Dieser Appendix einer Frau (oder war sie vielmehr sein Appendix?) schwebte über meinem Kopf und erweckte in mir ernstliche Ängste davor, was passieren würde, wenn die Gravitation komplett durchdrehen würde  (oder auch nur ihren Tribut fordern; im Fall des Monsterhinterns sollte das wohl schon reichen).
Dann fing der Arsch an zu reden. Ich verstand nur kurzes und abgehacktes Gebrabbel auf rheinländisch. Vermutlich war ich für semantische Überwachungen einfach noch zu verstört. Ein Schrecknis hatte mich ereilt. Was soll nun aus dem kläglichen Gerippe dieses Tages noch werden? Das „heute“ ist mir verleidet…

Kommentare:

  1. Ich konstatierte, Rilke widersprechend: "Hiersein ist NICHT herrlich!"

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  2. Schwierig. Hätte sich das "Hier", da es ja von Dir ausgesprochen wurde, auf Deine geographische Position zum Zeitpunkt des Vorfalls bezogen, so hätte ich das Sein an diesem Ort wohl doch als "herrlich" empfunden...

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