Montag, 31. Januar 2011

Wos wird da gspuit?!

Tief erschüttert mußte ich in der jüngsten Vergangenheit festellen, daß der allgemein als Saupreiß bekannte Bürger ein offenbar nicht allzu positiv gefärbtes Bild vom Bayern hat! Wos is da los?! Man mag Bayern vielleicht nicht üüüberall als Wiege der Zivilisation anerkennen, aber einen solchen Spott hat das Herkunftsland der Weißwurscht nicht verdient.

Ich möchte zunächst kurz meine Position darlegen: ich wurde auf bayerischem Territorium von einer Vollblut-Allgäuerin geboren, habe dort auch die erste Zeit meines Lebens verbracht und bin laut großväterlicher Aussage eine "Allgäuerin der ersten Stunde". Die eine Hälfte der Verwandtschaft lebt in Oberbayern, die andere im Allgäu und ich nach Aufwachsen im feindlichen Schwabenland nun in NRW. Man könnte mir also durchaus bayerische Herkunft attestieren.
Nun, mit eben jener hat man es ja wohl nicht mehr leicht, heutzutage!
Ob ich mich nicht für meine schuhplattelnden Volksmutanten-Bundeslandkameraden schäme, wurde ich gefragt. Okay, wenn das pars-pro-fuckin'-toto-Spiel gespielt werden soll, DAS kann ich auch! Wo bitteschön bleibt dann aber mein verdammter Balkon? Ja, genau der, auf den ich mich stellen werde, wenn ich mit dreisekündigem Schuhplattlerschämen fertig bin, um mich vom Volk als Bringerin von Brezel und Bier euphorisch feiern zu lassen. Einem Szepter gleich werde ich die Brezel schwingen, die auch schon in Nordrhein-Westfalen aus jeder Bäckereiauslage strahlt...
Als ob ein paar jaulende, voluminöse Volksmusik-Vollaffen in margarinös glänzender Feistesse mir diese kulinarischen Errungenschaften kaputtstampfen könnten... wir (ja, temporärer Solidarisierungsprozess ist mittlerweile eingeleitet) haben mit Gamsbart, Weißwurscht und Biergarten noch so viel mehr für das deutsche Volk getan: nicht umsonst ist das in die Welt transportierte Stereotyp des Deutschen nicht der Rheinland-Horst, der mit Currywurst und gelb beflecktem Feinripp-Unterhemd "Süüüüüülfia! Bring misch ma nochen Biehr bei!"-schreiend und auf wundersam polyphone Weise gleichzeitig beeindruckend laut rülpsend auf dem verlausten Zweiten-Weltkriegs-Sessel seiner Omma vor dem Fernseher sitzt, sondern der gepflegte, allenfalls leicht alkoholisierte Krachlederhos'n-Schorsch, der gemütlich im Biergarten zu Volksmusi schunkelt und ein paar harmlose, allenfalls amüsant-sinnentleerte Sprüchlein von sich gibt ("Die hot ja no a recht's Holz vor da Hütt'n!").
Die Schlagkraft dieses Bilds scheint so massiv zu sein, daß sie sogar in den USA und in China ganz langsam den zornigen kleinen Mann mit dem witzigen Oberlippenbart verdrängt. Hör ich dafür ein leises "Danke..."? Nein! Aber ich will es euch Undankbaren anhand dreier kleiner Listen einfacher machen.

Erstens: Dinge, für die ich mich ganz sicher nicht schäme
  • Zu allervorderst: Edmund Stoiber. Auch wenn seine Frau eine Muschi hat, äh, ist, er Blumen hinrichten läßt und offenbar vom Bildungsministerium mit dem Sonderauftrag der Umlaut-Promotion mit Augenmerk auf ä(h) und ö(h) betraut wurde, so ist er doch ein respektabler Mann. Immerhin hat der gleißende Weißhaar-Häuptling mehr komödiantisches Potenzial als sämtliche "Comedians" hierzulande zusammen, und er will das im Gegensatz zu denen nicht mal! Der so charmant sprachbehinderte Ausnahmeregent ist ein Wahrzeichen. Ich steh auf seine unerschütterliche Affinität zur Blamage. Ein Mann mit Mut!
  • Das gerollte "r". Es klingt episch, herrisch und machtvoll. Man muß ja nicht folgen, wenn der Preuße darum bittet, "räudige Rentner rollen nackt ums Rathaus" zu sagen. Keinen Respekt...
  • Dirndl und damit verbunden die in Fachkreisen als "Hupenschau" bekannte Exposition der sekundären Geschlechtsmerkmale der Frau. Eine beeindruckende Demonstration der Fruchtbarkeit, ein braves und freud-iges Dem-Ruf-des-Darwin'schen-Diktats-Folgen, eine männeraugenfreundliche Balztracht (wenn man von Stilbewußtsein und Geschmack einmal zu Reproduktionszwecken Abschied nimmt; aber bitte, liebe Männer - die Liste der "trotzdem"-befruchteten Doppel-X-Chromosomenträgerinnen ist lang, fängt bei Deiner Mutter an, endet bei Britney Spears noch lange nicht und beweist, daß EUCH das nun wirklich nicht schwerfällt).
Zweitens: Dinge, denen gegenüber man in Anbetracht der eben genannten Dinge die Augen auch mal zudrücken kann (ja, beide!):
  • Marianne & Michael
  • Schuhplattler (Jahaa...)
  • Gabriele Pauli
  • diese merkwürdigen Socken 
Drittens: Dinge, für die ich mich vielleicht ein kleines (!) bißchen schämen könnte:
  • Oktoberfest
  • FC Bayern (Ruhe! Ihr habt Calli, der zählt dreifach!)
  • leicht inzestuöse Familienverhältnisse in evtl. etwas zivilisationfernen Dörfern
  • minimal überbordender Katholizismus
  • Ratzepoop
  • der Hitler-Ludendorff-Putsch
Wie wir sehen: Kleinigkeiten. Quasi nichts.

Also empfehle ich allen Kritikern, Ruhe auf den billigen Plätzen, aber auch in den exklusiven Rängen einkehren zu lassen; denn - immer dran denken -: wenn uns sonst nichts bleibt, nach einem GAU beliebiger Art, bei dem uns eure Zilvi... Zifil... Ziviliss... - wasauchimmer-Dingsis auch nichts bringen und allenfalls dekorativ wirken, bleibt uns immernoch... die BREZEL! So schaugt's aus!!

(verstohlener Link)

Kommentare:

  1. aber im Ernst! Ich fände es auch wirklich falsch, sich hierfür zu schämen:
    http://www.youtube.com/watch?v=5QWvlhHJM7E

    HAAAJO!

    oder hierfür:
    http://www.youtube.com/watch?v=Btjf04JcYc8

    Saupreiß, japanischer!

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  2. Ach ja, zu Dirndl und Tracht wäre noch anzumerken:
    http://www.youtube.com/watch?v=shIxT4pg6iE

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