Mittwoch, 9. Februar 2011

Das können die nicht ernst meinen.

ACHTUNG! Ich bin umgezogen! Dieses Blog wird nicht mehr lange existieren; alle Einträge und sämtliche folgenden findet der geneigte Leser hier: Cloudpharming.

Das war mein erster Gedanke, als ich auf diese Seite hier stieß. Eine Liste homöopathischer "Heil"-Mittel, also. An sich nichts, was nicht schon tausende rothaarig-leinenhosentragende Jute-statt-Plastik-Heilpraktikerinnen, die "das alles schon auch kritisch sehen und so" versucht hätten, zahlungswilligen Esoterik-Yuppies ohne ernsthaftes Interesse an Gesundung und/oder mit zu dickem Geldbeutel und/oder mit einer hirnzermatschten Portion Kritik an "der Pharmalobby" zu verkaufen.
Homöopathie ist großer Mist, unterlassene Hilfeleistung und nichts für mich, und wer dazu ausführlichere Dinge lesen möchte, den verweise ich hierauf. Das ist nichts neues und auch nichts besonderes, und eben weil ich es für solchen Schwachsinn halte, haben sich meine Recherche-Bemühungen dahingehend auf das Nötigste beschränkt. Nun aber habe ich, aus lauter Neugier, doch mal die o.g. Seite durchforstet und bin auf ein wichtiges, wichtiges Heilmittel gestoßen: das mächte "Natrium chloratum".
Dem ein oder anderen wird dieses Mittel, das gegen Angst, Augenschmerzen, Blutarmut, Ekzeme, Hautschwulitäten, Herpes, Kopfschmerzen/Migräne, Kropf, Kummer, Mundgeruch, Nesselsucht, Rückenschmerzen, Schnupfen, Sehstörungen, Verdauungsprobleme, Warzen und Weißfluß helfen soll, damit also das Allround-Wundermittel schlechthin ist, ein wenig bekannt vorkommen, denn den Namen mag man in ähnlicher Art schonmal vernommen haben. Es wird doch nicht etwa... doch! Genau das!
Ein Blick auf den "Steckbrief" des Mittels verrät:
Anderer Name: Kochsalz, früher Natrium muriatum
Das, meine Lieben, ist es also? Mein handelsübliches und uns Normalsterblichen als Kochsalz vertrautes Küchengewürz? Das kann all diese Dinge, wenn ich es unendlich verdünne? Also, so unendlich verdünne, daß davon garnichts mehr in meiner Tinktur ist?  Voll gut! (Voll gut auch der kryptische und sehr heilsam klingende Name)
Wenn es nicht so traurig wäre, daß Menschen für (nicht-mal-)Salzwasser Geld raushauen wie die Bescheuerten, würde diese Beschreibung des so angepriesenen Wirkstoffs bei mir Lachsalven ohne Ende herauskitzeln (die besonders schönen Stellen habe ich hervorgehoben):
Das homöopathische Mittel Natrium chloratum wird bei Migräne, Erkältung und Zahnfleischentzündung verwendet.
Das beliebte Konstitutionsmittel wird umgangssprachlich auch Kochsalz und früher Natrium muriatum genannt.
Menschen, die Natrium chloratum brauchen, wirken oft weiblich, empfindsam und einsam.
Zudem sind unter "Temperament" noch folgende Attribute angegeben: empfindsam, feinfühlig, launisch und loyal. Wer so drauf ist, außerdem noch breit, blass und aufgedunsen, der ist genau der richtige Rezipient für das Konstitutionsmittel Jodsalz. Ich weiß nicht, wo das Grinsen aufhören und das Kopfschütteln anfangen soll. Wir sprechen hier von Kochsalz! Davon, daß irgendwelche heuchlerischen Heilpraktiker (und leider auch Ärzte) Menschen mit ernsthaften Beschwerden unendlich verdünnte Salzlösung verabreichen und dafür auch noch Geld verlangen!

Wenn ich das nächste Mal Migräne habe oder arg weiblich drauf bin, werd ich mir meinen Salzstreuer nehmen, ein Körnchen herauspuhlen, es mit einem Schnürsenkel, an den ein Anti-AIDS-Edelstein gebunden ist, auspendeln und nach ausführlichem Zermösern in einen Tank Leitungswasser schmeißen. Dann werde ich den Tank ins Klo spülen, wieder mit Wasser füllen und hoffen, daß das jetzt im Wasser befindliche Rewe-Speisesalz-Gedächtnis mein loyales Temperament und meine wässrigen Augen unterstützt und heilt.

Arme Welt.

P.S.: Natürlich konnte ich es mir nicht nehmen lassen, zu lesen, wie auf Homöopathie-Webseiten ein "Konstitutionsmittel" definiert wird. Viel Spaß mit diesem herrlichen Text:

"Konstitutionsmittel in der Homöopathie sind Arzneitypen, die quasi plastische Menschenbilder darstellen. So gibt es z.B. einen schlanken, nervösen Phosphor-Typ, der zu Blutungen neigt, oder das blauäugige, traurige und weinerliche Pulsatilla-Mädchen oder das dickliche, schwerfällige Calcium-carbonicum-Kind. Aber es [gibt] außer diesen noch mehr Typen. 
[...] gibt es aber auch Mittel, die den Organismus umstimmen können, gesund zu werden, z.B. Pulsatilla oder Nux vomica."
      Quelle: Link

P.P.S.: Auf derselben Seite gibt es eine Reihe von Leitsymptomen, die Kochsalz-Typen haben, die ich zum Schreien komisch finde und deswegen in ausgewählten Auszügen hier wiedergeben muß:
- Der Betroffene hat eine Abneigung gegen Mitleid
- Der Betroffene will allein sein, weil er weinen will
- Der Betroffene sind bei Nichtbeachtung reizbar, werden nachtragend
- Der Betroffene will salziges, mag kein Fett und kein Brot
- Der Betroffene ist dauernd hungrig, manchmal auch sehr durstig
- Der Betroffene hat rissige Mundwinkel
- Der Betroffene hat Akne, meist da, wo Haare wachsen

1 Kommentar:

  1. Also, ich weiß nicht, was Du willst! Salz ist voll gut und statt hier einen auf Kant und Kritik des Reinen Speisesalzes zu machen, hebe ich lieber hervor, wie toll Salz ist.
    Man kann es großartig zur Therapie von zu wenig geschmacksintensivem Steak einsetzen. Oder auf Eiern.
    Nein, nicht so:
    http://www.youtube.com/watch?v=aBO1JVqB9YI

    Und daß Nietzsche, der was gegen Mitleid hatte, ein Kochsalztyp ist, finde ich grandios. Ich bin eher der rissige Mundwinkel-Junge, mag gerne Fett und Brot und möchte nicht weinen.

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