Sonntag, 6. Februar 2011

Das traurige Leben der Nicht-Freudianer

Zugegeben, es klingt etwas hochgestochen und bezieht sich nur marginal auf den Anlass, der dem Blogpost zugrunde liegt, aber ein „Freud“ in der Überschrift klingt gebildet und bedacht. Also werde ich ihn da stehen lassen.
Ich kann die Menschheit anhand ihres Verhaltens bei Tisch in ein paar wenige, aber allumfassende Kategorien einteilen. Das Experiment, das meiner Einschätzung vorausging, kann jeder Leser einfach am heimischen Esstisch oder auch in der Öffentlichkeit nachbasteln. Man stelle sich ein schmackhaftes Spargelmahl vor. Weder Freud noch ich können etwas dafür, daß die Spargelstange eine auffällige Ähnlichkeit mit dem männlichen Genital hat. Sie tut ihren Dienst nicht nur als recht deliziöse Gemüseeinheit, sondern auch als äußerst formschönes Phallussymbol. Darauf weise man bei Tisch hin und ernte Reaktionen. Die erste Kategorisierung findet hier statt, und es werden sich gleich mehrere interessante Gruppen herauskristallisieren. Die verträglichste ist die der hungrigen Gleichgültigen. Sie werden still weiteressen und stören damit auch niemanden. Weniger angenehm, dafür aber lustig zu beobachten im Prozess ihrer zunehmenden Errötung sind die im Fachjargon als „Furzklemmer“ bezeichneten verklemmten Persönchen, die aber noch harmlos sind. Viel weniger harmlos sind die Moralapostel, welche ein gezischeltes „Claudia!“ (beliebige andere Vornamen denkbar) mit einem mahnenden Blick kombinieren. Randgruppen sind die kichernden Übersprungshandelnden sowie die wissenschaftlich Interessierten. Ich persönlich bevorzuge die Gruppe, der selbstverständlich auch ich angehöre: verschmitzt grinsend, staunend und amü- bis interessiert.
Nun hat man einen Ausgangspunkt für weitere Beobachtungen geschaffen. Man begebe sich nun auf Stufe zwei des Experiments. Bis auf diejenige des hungrigen Gleichgültigen ist jetzt alle Aufmerksamkeit auf die eigene Person gerichtet, was ausgenutzt werden kann und muß. Wirklich interessant werden die Beobachtungen nämlich erst, wenn nun beherzt zu Messer und Gabel gegriffen, das Männlichkeitssubstitut genüsslich zerschnitten und dann langsam und unter stetigem Grinsen dem Munde zugeführt wird, um dann Opfer eines entschiedenen Zubeißens zu werden.
Die Reaktionen rangieren von Empörung (Moralapostel) und Verstörung (Furzklemmer) über lautes Lachen/beschämtes Weiteressen (Überspringer) und feistem Grinsen bzw. Nachahmen (unsereiner) bis hin zu völliger Teilnahmslosigkeit (Hungriger). Auch ein leises Wimmern ist denkbar. Allerdings dürften sich leichte Geschlechterunterschiede messen lassen, da bei den Trägern des Y-Chromosoms vermutlich Teile der im Hirn befindlichen sogenannten „Schmerzmatrix“ aktiviert werden; ein neuronales Verschaltungsmuster, das für unsere Empathie in Sachen Schmerz verantwortlich ist. Wenn Freud Recht hatte. Für ein paar Menschen mag es wirklich nur Gemüse sein, und zu den o.g. Gruppierungen lassen sich noch die Menschen hinzuaddieren, die Spargel weder kennen, noch mögen. Darüber habe ich noch keine Nachforschungen angestellt. Ergebnisse anderer Beobachter sind mir stets willkommen!

Gez.
C.G. - Heldin der Wissenschaft in spe

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