Dienstag, 8. Februar 2011

Radioreligion

Ein von mangelhafter körperlicher Fitness gezeichneter Tag zwang mich heute ins Bett und verlieh mir so Zeit, mal wieder ausführlich dem Radio lauschen zu können. Dabei fiel mir eine ganz fürchterliche Unsitte in Radiogefilden auf, die ich auch schon in Süddeutschland, also auf anderen Sendern, bemerkt hatte: jeden - verdammten - Tag darf dort ein verblendeter Jesus-Yogi Märchengeschichten vortragen, die von einem LSD-zugedröhnten Münchhausen-Patienten stammen könnten (und es vermutlich auch tun) und auf seine grenzpsychotische Art und Weise interpretieren.
Daß diese Menschen sich dabei nicht selbst verrückt vorkommen, sich die Haare vor Schrecken selbst ausreißen und anschließend zur Selbstbestrafung zehn mal in Folge gegen die Wand laufen, weil sie gerade ein Verbrechen gegen jede Form des Hirnbesitzes begangen haben, ist die eine Sache.
Viel wichtiger aber: wie kann es sein, daß solchen Geschichten Sendezeit eingeräumt wird? Dinge, die vernünftigen Menschen als das imponieren, was sie sind: Behelfshirngespinste eines mir hochsuspekten Machtinstruments, das sich Religion nennt - oder, um es auf den Punkt zu bringen; abgedrehte Märchen.
Wie ist diese Form von Spiritualitätsimperialismus zu rechtfertigen? Genau: garnicht! Wer gläubig ist, mag das in seinem stillen Kämmerchen predigen, und dann hat das jede Daseinsberechtigung, aber eine solche Kundgebung ist kein Stück besser als der Muezzin, der von seinem Minarett runterjammert. Man muß sich dem entziehen können, und zwar ohne das Rundfunkgerät abzuschalten; alles andere ist Mission und damit nicht (!) mit dem Prinzip der Religionsfreiheit zu vereinbaren. Denn, wie jeder in Sachen Sprache einigermaßen Begabte weiß, sollte Religionsfreiheit nunmal auch die Freiheit von Religion bedeuten. Und, verdammt nochmal, damit ist man heutzutage wirklich kein Exot mehr!

Ich habe daher folgende Vorschläge für die Betreiber diverser Radiostationen:
  • Der Radiopriester muß weg und mit ihm seine ganze verpickelte Baggage an Jesusfreaks, die sich in ihren sonntäglichen Bibelpiez-mit-Anfassen-Sessions in ihre Pullunder wickeln und an vollkommenen Irren-Geschichten ergötzen (denn ein anderer Typ Mensch kann sich solche Groteskitäten nicht einfallen lassen); oder
  • Gleichberechtung, Vol. I: nebst dem Kirchenfuzzi dürfen auch ein isländisches Koboldmedium, eine sächsische Regentanz-Schamanin und eine schwäbische Feengläubige in aller Ernsthaftigkeit ihre hochrealistischen Geschichten und deren Deutungen vortragen, zu exakt gleichen Teilen - und niemand darf lachen; oder
  • Gleichberechtigung, Vol. II: es darf ebenso häufig ein vernünftiger Mensch sprechen und seine Weltsicht in Sachen Glauben und Nichtglauben vortragen und ein paar wirklich spannende Geschichten aus der Entstehung von Mensch und Welt aus populärwissenschaftlicher Sicht erzählen. Wenn nämlich Strömungen wie den Katholiken mit schätzungsweise etwa 20-30 Mio Gläubigen in Deutschland und den evangelischen mit 20-25 Mio diese Plattform geboten wird, so muß sie auch denen geboten werden, die als Atheisten danach streben, diese zu einem besseren Platz zu machen und dafür keinen Gott brauchen. Erst recht in Anbetracht der Tatsache, daß dieser Gruppe auch etwa 25-30 Millionen Menschen in Deutschland angehören! Es ist ein Ding der Unmöglichkeit, daß Religion nicht nur nicht angegriffen werden darf (ich tu's: sie ist blöd. Religion ist blöd. Und verweise an dieser Stelle hierhin, um einige der Gründe dafür wundervoll ausformuliert darzubieten), sondern auch noch im öffentlichen Raum eine Plattform geboten kriegt, wo sie Vernunft und Wissenschaft nicht explizit bekommen. 
Ich denke, ich werde den lieben Radiofreunden mal einen Brief mit meinen Vorschlägen zukommen lassen. Wie viele Menschen man erreichen könnte... und wie gefährlich es ist, daß diese abgedrehten Typen da eine solche Handhabe haben.

P.S.: Alternativ könnte nach jeder dieser intelligenzresistenten Märchenstundendurchsagen eine lustige Clownsstimme einen der folgen Sprüche aufsagen, eingeleitet von einem warnenden "Die nun folgenden Aussagen entsprechen in Relevanz und Anspruch sowie Hirngehalt dem soeben Gehörten":
 - "Scheiße auf dem Autoreifen gibt beim Bremsen braune Streifen"
 - "Scheiße auf der Schambehaarung zeugt von echter Männerpaarung"
 - "Scheiße auf dem Grammophon stinkt gemein und dämpft den Ton"
 - "Scheiße auf dem Autodach wird bei 180 flach"
 - "Scheiße auf der Lampenschale gibt gedämpftes Licht im Saale"
 - "Scheiße durch ein Sieb geschossen gibt beim Gegner Sommersprossen"
 - "Scheiße in der Uniform stört beim Kämpfen ganz enorm"

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