Dienstag, 1. März 2011

"Buddha, nach der netten Fabel,...

… starrt auf seinen fetten Nabel.“

Ach, Buddhismus..?
Genau, das war ja diese „Philosophie“, wie sie von spiritualitätsbewußten, dicken Mittfünfzigerinnen, vom Leben und der Liebe enttäuschten Esoterikbrummern, genannt wird, die Gelassenheit und Ruhe propagiert und damit ein angenehmes Gegengewicht zur verteufelten „westlichen Hektik“ darstellt, der die Midlife-Crisis-Künstlerinnen zu entfliehen versuchen. Keinesfalls sei dies eine Religion, und die Tatsache, daß in Fernost die diesem Wahn anheim Gefallenen mit Glatzen und in Mönchskutten in Klöstern Askese pflegen, ist zum Glück auch nicht im geringsten damit vergleichbar, daß hierzulande dem religiösen Wahn anheim Gefallene mit bescheuerten Frisuren und Mönchskutten in Klöstern Askese pflegen.
Nein, nein, der Buddhismus steht für innere Balance und den transzendenten Weg, auf dem natürlich auch sanftes Heilen und das Verteufeln des Westens an sich liegen (wohingegen man ins buddhistische Zentrum immer noch mit dem Auto tuckert und die H&M-Hanf- und Leinen-Zirkuszelte, die man sich übergeworfen hat, sicherlich von kleinen, spirituellen Inderinnen handgenäht worden sind). Gut, wenn den Buddhisten was nicht paßt, zünden sie sich selbst an, und nicht andere, das muß man ihnen lassen.
Nun denn, zum Glück hat also der Buddhismus nichts mit einer Religion zu tun und ist dem ganzen New-Age-Gewäsch auf eine ideale und pseudo-religionsliberale Weise ein großartiges Instrument für die innere Einkehr.
Deswegen ist ja auch nichts daran auszusetzen, daß es in Österreich jetzt auch Buddhismus-Unterricht für die ganz kleinen Kinder zwischen zwei und vier Jahren gibt, oder? Ist das nicht alles ganz wunderschön und harmlos?
Die Antwort ist ein entschiedenes NEIN. Nach der Durchsicht dieses Artikels hier mußte ich wieder mit meiner Lieblingssportart (hochfrequentes Kopfschütteln) beginnen, denn was es hier zu lesen gibt, unterscheidet sich in keinem Punkt vom Treiben in den Sekten geisteskranker Religionseiferer.

Zunächst möchte ich feststellen, daß der Buddhismus alle Merkmale einer das Supernatürliche bedienenden Religion aufweist und deswegen, bis auf seine etwas gewaltärmere Ausführung, keinerlei Sonderbehandlung verdient. Wie für alle Religionen gilt: im Privaten und für sich dürfen sie gerne ausgeführt werden, aber nur, wenn die Praktizierenden volljährig, selbstständig und im vollkommenen Besitz ihrer geistigen Kräfte (soweit das geht) sind. Im Bericht ist davon die Rede, daß eine österreichische Provinzmutti ihr Kind ins Zentrum schleppt, um ihm zu zeigen, daß es durchaus normal sein kann, einen buddhistischen Altar im Wohnzimmer stehen zu haben. Genau das darf nicht sein. Das ist nicht normal und hat nichts mit gesundem Menschenverstand zu tun, und deswegen darf ein Kind einer solchen Spinnerei auch nicht ausgesetzt werden. Übrigens: Altar = religiöses Merkmal Nr. 1.
Anschließend werden die Kinder in einen Gebetsraum geschleppt (Nr. 2) (und müßen diesen sogar mitgestalten), wo sie an irgendwelchen von Geistesabsenz zeugenden Klopfritualen und Gebetssprechungen teilnehmen müßen, die stark an Sektengebräu erinnern (Nr. 3). Noch mal: diese Kinder sind zwei bis vier Jahre alt und leicht zu indoktrinieren, und diesen Job übernehmen auch noch die eigenen pseudoalternativen Eltern. Für sie gedeiht es zur Normalität, sich jeden Tag abzuklopfen und wirres Zeug („Buddha Dharma Sanga“) vor sich hinzumurmeln.
Davor durften sie spielerisch einige vollkommen von der Philosophie abstrahierte Elemente der fernöstlichen Kulturen kennenlernen; und damit, daß sich Kleinkinder für geräuschemachende Klangschalen begeistern können, wird dafür argumentiert, daß ihnen der aufindoktrinierte religiöse Eifer ja gefalle und gut tue. Natürlich.
Belohnt werden sie am Ende übrigens mit Rosinen. Soll sich ja auch lohnen, der ganze Krampf.
Nicht nur, daß den Kindern mit dieser Indoktrinierung das Recht auf die freie Entfaltung der Persönlichkeit genommen wird und sie von durchgedrehten und von Räucherstäbchen zugedröhnten Müttern in eine supernatürlich-spirituelle Richtung gedrängt werden, welche skeptisches/naturwissenschaftlich orientiertes Denken (wie jede Religion) nicht gerade fördert - die „Philosophie“ an sich birgt auch einiges an Gefahrenpotenzial.
Ich weiß nicht, ob ich meinem Kind gerne eine Lebensphilosophie näher bringen möchte, deren Hauptaussage sich auf ein „Leben ist Leiden“ reduzieren läßt. Zwar mag es nett sein, etwaigen Schicksalsschlägen mit stoischer Ruhe zu begegnen und grundsätzlich Güte walten zu lassen, aber wer dafür eine vorgefertigte Religion braucht, ist ein armer Mensch. Zudem gehört zum Rüstzeug für das Leben, das einem kleinen Kind an die Hand gegeben gehört, nicht zwingend die Einsicht, daß Leid allgegenwärtig ist. Kann aber auch sein, daß ich mich irre.
Ganz abgesehen davon, daß die Idee, Dinge über sich ergehen zu lassen, weil sich das in einem nächsten Leben bezahlt machen könnte, Dinge wie einen eigenen Willen und Widerstand, die in einem jungen Geist m. E. grundsätzlich förderungswürdig sind, im Keim erstickt. Und natürlich paßt das Autoritäten hervorragend in den Kram. Hier haben wir also religiöses Merkmal Nr. 4: auch der Buddhismus ist ein hervorragendes Machtinstrument, wie jede andere Religion auch. Schließlich bildet er durch sein lethargisches Hinnehmen auch die politische Grundlage für ein Gesellschaftssystem, wie es in einigen fernöstlichen Ländern etabliert ist.
Merkmal Nr. 5 folgt auf den Fuß: natürlich darf das ultimative Religionsfeature, die Erniedrigung der Frauen, auch im Buddhismus nicht fehlen. Diese haben ihre Daseinsberechtigung alleine durch ihre Eigenschaft als Heiratsmaterial und sind ansonsten, wie auch in den drei großen monotheistischen Religionen, genau nichts wert. Dies mag vorwiegend als gesellschaftliches Problem imponieren, aber wie in vielen Ländern und Regionen bildet auch hier die Religion die Grundlage kultureller Gepflogenheiten und Ereignisse, insbesondere dann, wenn ich weniger wohlständigen Ländern die Säkularisierung noch keine riesigen Sprünge gemacht hat.
Auch herrscht in einzelnen Teilen des Einzugsgebiets dieser Religion die Meinung, daß man als Frau geboren wird, wenn man im vorigen Leben Mist gebaut hat. Zur ultimativen Erleuchtung muß man laut Theravada-Buddhismus auch als Mann wiedergeboren werden; insgesamt gilt, z.B. im Mahayana-Buddhismus, der Geist einer Frau weniger als der eines Mannes. *
Eine solche Idee einem kleinen Kind spielerisch aufzudrücken, ist „sowas von 1550“. Wenn überhaupt.

*) Es ist schwierig, dafür Belege von unverklärten Nicht-Buddhisten zu finden, aber sogar die Anhänger müßen vielerorts zugeben, daß Buddha Frauen wohl nicht so toll fand...

Ich kann verstehen, daß man sich, als Halt im hektischen und unpersönlichen Alltag, einen Halt sucht und eine Stütze, die einen durchs Leben trägt. Und sei es nur der (keineswegs den religionsimmanenten Normen und Regeln entsprechende) Alltags- und Gebrauchsglaube, der einem die Idee eines persönlichen Auffangnetzes bietet. Das kann tröstlich und schön sein, und ich gönne es jedem, der so seinen Weg findet und Stabilität wahrt, von Herzen. Aber er muß sich selbst dafür entschieden haben, wenn er erwachsen ist, und nicht schon die Psyche seines Kindes mit gruseligen Sektenritualen in menschenrechts-missachtender Umgebung (was Religion nun mal ist) infiltrieren, formen und verarmen lassen. Denn auch der Buddhismus spielt mit der Angst des Menschen, und so ein Kind erziehen zu wollen, ist traurig und mitunter grausam.

Leider ist nicht jedes Kind aufgeweckt genug, den überdrehten Wullu-Wullu-Sprüchen seiner Mutter vor dem heimischen Altar eine nicht über das übliche „die spinnt“ hinausgehende Gleichgültigkeit angedeihen zu lassen. Und nicht jedes Kind kommt damit gleich gut zurecht, wenn es von anderen Kindern schräg angeschaut wird, weil die Eltern eine hormonell schwierige Phase durchstehen und sich deswegen irgendwelche Buddha-Altare ins Wohnzimmer stellen, um erleuchtet zu werden. Deswegen sollten solche Kinder-Indoktrinierungs-Anstalten schlichtweg verboten und geschlossen werden.

Innere Einkehr und Ausgeglichenheit, Bedachtheit und Coping-Strategien sind durchaus erstrebenswert, denn – ja, unsere Welt hat mit vielen Bürden aufzuwarten, u.a. auch das unpersönliche Streben nach größtmöglicher Wirtschaftlichkeit und Effizenz; aber dafür brauche ich Rückgrat, und nicht zwingend Religion.
Erleuchtung, enlightenment, ist durchaus wünschenswert, wenn sie als Aufklärung verstanden wird. Das, was unsere Welt – v.a. in Anbetracht der Tatsache, daß Bewegungen wie die semispirituelle New-Age-Verblödung auch meist noch Schulmedizin-Hass und auch auf Kinder angewandte, gefährliche Naturheilscheiße mit sich bringen – mehr als nötig hat, dieser Tage.
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P.S.: Auch schön ist, wie sich religiöse Eiferer immer gleich beschweren müssen, daß man es wagt, gegen ihre Hirnabsenz-Disziplin zu schießen. Zwar schlage ich meine Meinung diesbezüglich niemandem ins Gesicht (außer, wenn man davor versucht, dasselbe bei mir zu tun oder wenn es Schutzbefohlene betrifft, wie hier – was aber auch niemand lesen muß, da niemand persönlich angesprochen ist) – ich habe sie aber und werde sie auch nicht aus dem Grund zurückstellen, daß jemand sich in seinen „religiösen Gefühlen verletzt“ fühlt. Religiöse Ansichten sind nicht im geringsten höher zu stellen als anders geartete, und wenn ich ein Wohnzimmer hässlich finde und aus irgendeinem Grund dazu befragt werde, hat meine Äußerung des Nicht-Gefallens ideell gesehen genau den gleichen Stellenwert. Es gibt keine Heiligkeit der religiösen Ansichten, und nur, weil ich mit der Zeit gelernt habe, daß ich niemandem seinen persönlichen Trost nehmen kann und will und der Menschheit ihre Unzulänglichkeiten verziehen werden müßen, wenn man nicht durchdrehen will, halte ich mich zurück. Grundsätzlich gilt aber, daß meine religiöse Meinung genauso wichtig ist wie diejenige, die ich über Eierschalensollbruchstellenverursacher oder Parteien habe – und die ist von außen unbedingt anfechtbar. Insbesondere dann, wenn sie gefährlich wird!

Deswegen, und weil ich mich nicht von zugeräucherten Glatzköppen und deren ihre Amöbenhirnität mit erhöhter Affinität zur Schmachmatotesse kompensierenden Anhängern zensieren lasse, will ich diesen Beitrag äußerst eloquent mit dem Zitat eines lieben Freundes, dem weisen Nils Franzke, schließen: 

"Transzendenz am Arsch!"

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