Donnerstag, 10. März 2011

Wo Würde weißlich weicht... - Brennpunkt Milch

Meinen 50. Blogeintrag hier widme ich feierlich einem Thema, das mir in all seiner Argheit sehr am Herzen liegt: Milch.

Styx, Lethe, Kokytos, Phlegeton und Acheron haben eine grauenhafte Gemeinsamkeit. Nicht nur fließen diese fünf Flüsse durch die Unterwelt, nein – sie bestehen mit größter Wahrscheinlichkeit aus der Essenz des Bösen, dem Destillat der Qualen: der Milch. Wenn ihr Flußbett nicht mit ihr, sondern mit dem Blut der Leidenden oder der Galle der Sterbenden gefüllt wäre, wäre der Hades sicherlich ein sehr viel blumigerer und lieblicherer Ort.
Ihrem grauenhaften weißen Rauschen wissen nicht einmal die todbringendsten Götter etwas entgegenzusetzen, und egal, wie sehr einem Monsterkreaturen den Verstand rauben können – die Milch kann es immer etwas besser.

Milch hat ein Konsistenzproblem: sie dürfte etwa genauso viskos sein wie Wasser, obwohl sie nach außen hin viel dickflüssiger anmutet. Sie täuscht über ihr wahres Wesen hinweg. Dann allerdings kann sie auch nicht mit der wasser’schen Klarheit aufwarten, sondern imponiert in leerem, identitätslosem Weiß – eine Leinwand für allen Ekel der Welt; purer Spott der so mockierten absoluten Helligkeit gegenüber, der Unschuld, welche diese Farbe gemeinhin symbolisiert. Es ist, als würde sich der Teufel mit einem Heiligenschein schmücken oder der Papst mit einer Richard-Dawkins-Perücke.
Doch Milch gibt sich nicht damit zufrieden, wie Wasser nach nichts zu riechen oder zu schmecken, wie sie es in ihrer Konsistenz ja ein wenig ankündigt, ach, antäuscht! Ein nicht zu definierender Geschmack, den ich am ehesten als „etwas“ betiteln würde, breitet sich im Mund aus und verleitet zur Raserei. Was ist das? Wieso schmeckt es nur nach „etwas“? Der Mensch, der nach Antworten und Klarheit sucht, wird in der Milch nur die schlierenartigen Nebel finden, die sie am Gläserrand oder in der Seele hinterläßt… unbefriedigend. Auch riecht Milch genauso, wie sie schmeckt. Nach „etwas“. All dieses Wirrwarr: täuschende Konsistenz, Geruch und Geschmack irgendwo im Nirwana, blendende Weißheit, die doch nur stumpfes Nichts andeutet: all diese Dinge lassen den Geist verwirrt, unbefriedigt, halbgar zurück und konstituieren so die einzig zulässige Reaktion auf das Gebräu: Ekel.

Milch mag für kleine Menschen und mit Brüsten assoziiert ihren Dienst erfüllen, denn immerhin sind Proteine darin und helfen, zu wachsen und zu gedeihen – außerdem wird sie unfertigen Menschen ohne Geist vorgesetzt, welche die o.g. Probleme noch nicht haben werden. Doch mit den Jahren wird sich beim normalen Menschen, z.B. bei mir, die angedeutete Abscheu einstellen. Ich kann mich nicht erinnern, je Milch getrunken zu haben, und der Anblick eines Menschen, der mal eben ein Glas Milch trinkt, macht mich krank. Jüngst habe ich, im Angesicht fürchterlicher Qualen und nur um der Lebenserhaltung willen, ein Glas des Teufelssaftes trinken müßen. Es war genau so, wie ich es mir all die Jahre über ausgemalt habe. Genau – so.

Nun, es scheint nicht nur mir so zu gehen. Wieso sonst wird Milch am ehesten verkauft, wenn sie nicht in der reinen, gesichtslosen Milchform ist? Wieso muß sie bis zur Unkenntlichkeit als Schokolade, Joghurt, Kakao, Kaffeebeigabe o.ä. „entstellt“ angeboten werden? Genau. Weil keines dieser Produkte (bis auf Kakao, denn auch der hat das Konsistenzproblem) die oben erwähnten Kriterien der Abscheulichkeit erfüllt und somit der Milch eine bis mehrere ihrer grauenhaften Dimensionen nimmt.
Kommen wir zum Schluß noch zum fürchterlichsten. Das Übelste, womit Milch aufwarten kann, der Super-GAU der Milchhaftigkeit, der Atomkrieg der Schmerzsensationen in meinem Hirn wartet im Geruch von Milch, die gerade heiß gemacht wurde. Wem es davon nicht schlecht wird, dem Gnade Gott (oder so). Den haben sie schon gekriegt…

 Widerlich...

Kommentare:

  1. Sie haben entschieden ein Komparativ/Superlativ-Problem:
    - wie hoch ist die "größte Wahrscheinlichkeit"?
    - "todbringendste Götter": welche sind das denn so? Und welche sind einfach nur "todbringend"?
    - "dickflüssiger"? Geht es eigentlich noch flüssiger als flüssig?


    Außerdem:

    Oh Milch, Du gutes Elixir,
    Du sanfte, weiße Schöne!
    Ode und Lob gebühren Dir
    (Du bist gut für die Zähne)!

    Schmiegst Dich in Kaffees schwarzen Bau
    und nimmst ihm so das Bitt're,
    veredelst Pulver zu Kakao,
    bis ich vor Wonne zitt're.

    Kein Joghurt, Käse, Crêpes und Quark
    kein Bechamel, kein "Chocolat"
    Getroffen wäre ich ins Mark
    wärst Du, oh Milch, nicht für mich da!

    Wie arm bist Du, der Milch verschmäht,
    welch' ein erbärmlich Knilch!
    Für Dich kommt alle Hülf zu spät!
    Für mich nicht! Gebt mir Milch!


    [Disclaimer:
    Die Reime war'n recht "käsig"
    was mich jedoch nicht juckt,
    denn Käse ist rechtmäßig
    ja auch ein Milchprodukt ]

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  2. Erstens: die höchste Wahrscheinlichkeit ist ganz schön hoch. Dürfte klar sein, oder? Todbringendste Götter sind die, welche die meisten Todesfälle verursachen über einen definierten Zeitraum; sagen wir mal: tausend Jahre. Und ja, es geht noch flüssiger: hyperfluid. :)

    Und Dein Gedicht kann ich nur mit einem mitleidigen Kopfschütteln quittieren... armer Irrer... :-*

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  3. - "die höchste Wahrscheinlichkeit ist ganz schön hoch"
    Echt? Und eine noch höhere Wahrscheinlichkeit wäre dann was? Die allerhöchste Wahrscheinlichkeit? Und wie steigert man "allerhöchst"? Repetieren von aller-? Allerallerallerallerallerallergeilstens, hömma!
    - "sagen wir mal: tausend Jahre"; Ach ja? Wieso tausend Jahre? Und wieso über einen solchen Zeitraum? Wieso nicht der Gott, der gleichzeitig die meisten Tode verursachen kann? Wenn z.B. Wotan in 1000 Jahren 1000, jedes Jahr nur einen, würde mich das weniger beeindrucken, als Wishnu, der 999,99 Jahre chillt und dann in der letzten Sekunde gleichzeitig 999 Leute killt, obwohl er damit nach Madames Lesart weniger todbringend wäre, als Wotan. Sie sehen: Bullshit!
    - "Und ja, es geht noch flüssiger: hyperfluid"
    Ahaaaaa. Demnach wäre Gas ja auch flüssiger als Flüssigkeit. Ist Nix dann also flüssiger als Gas? Und Garnix flüssiger als Nix?

    Und dann noch:

    "Mitleid, Quittung, armer Irrer!"
    Leute hört dies Fräulein an!
    Krank im Herz, im Kopf noch wirrer,
    daß man nur Milchleid haben kann!

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