Mittwoch, 4. Mai 2011

Glaube, Liebe, Hoffnung?

Heute mal wieder mit ein bißchen Lyrik. Wer kennt nichtdas gleichnamige Stück von Ödön von Horváth bzw. die als christliche Grundtugenden vorgetragenen Prinzipien? Nach langem Überlegen dachte ich mir, daß das - zumindest für mich - deutlich säkularer klingen muß. Niemand muß sich im Nebel (semi)metaphysischer Verstrickungen verirren, um seinem Leben und seinem Empfinden Namen und Tiefe zu geben. Daher habe ich mich hingesetzt und meine eigene Tugendtrias zusammengeschustert, die für mich mit mehr Erfüllung aufwarten kann als Glaube/Liebe/Hoffnung:

Sehnsucht - Liebe - Heimat

I - Sehnsucht

Durch graue Himmel, graue Augen,
Trübe Herzen hoffen wir.
Was in uns zerrt und brennt soll leben
Durch faules Fleisch nach außen streben:
Endlos sei der Flamme Gier.

Liebe atmen, Asche werden;
Für den Aufruhr beten wir.
Reißt der Ängste Mauern nieder!
Seid Geschichte! Schreibt die Lieder
Die ihr sucht mit eurem Hier.

Nie zu stillen ist das Sehnen.
Darum leiden – leben wir.
Doch hab ich ihnen, Zeit um Zeit,
Jeden Atemzug geweiht:
Der Liebe, Sucht, der Flamme Gier.

II - Liebe

Es war ein Ahnen und ein Zittern
Ein scheuer Blick, ein ängstlich’ Wittern;
Es wurde Sehnen, wurde schwer:
Die Deckung und sich fallen lassen
Ein wohliges den Punkt Verpassen
An dem man noch zu retten wär'.

Vor Sturm, durch nur ein Wort gesät,
Der durch einst finst’re Weiten weht
Und singt von Güte, Glück und Schmerz.
Vor Bangen, das den Jahr’n geschuldet
Verlangen, das – endlich geduldet –
Sich schneid’t und gräbt durch Haut und Herz.

Es ist die Wärme dieser Hände
Des Wahnsinns Anfang und das Ende
Der Geister, die so laut geschrie’n.
Es wird ein Strahlen und ein Tosen.
Und einst will ich durch sein Liebkosen
Des Schnitters kalter Hand entflieh’n.

III - Heimat

Es war da das Wandeln, es war da das Treiben
Und rastlos umgab, einem Mantel gleich,
Ein Zittern mein Leben, an Sturmwogen reich.
Ich faßte die Schwere, und sie sollte bleiben.

Mit mahnendem Brandmal, verdammt zur Reise:
Ich trug’s auf mir her, die stolzen Augen kalt.
Und doch war’s sein Strahlen, das mich überwallt’ –
Das hoffende Mädchen, gefangen im Gleise.

Die Ferne zerrinnt im Griff seiner Hände
Ängste und Wehungen müßen sich winden:
Finden alsbald sie ihr stetiges Ende.

Kein Wiedergang dem rührigen Schinden!
Hier ruh’ ich: zu künden von glücklicher Wende
und - endlich! - Heimat in ihm zu finden.

(c) Claudia, 2011


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