Dienstag, 12. Juli 2011

Dürfen Religiöse Autos lenken?

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Äußerst erheiternd fand ich einen Artikel im österreichischen Standard.
Darin ist zu lesen, daß ein junger Mann namens Niko Alm endlich seine religiöse Kopfbedeckung auf dem Führerscheinfoto tragen darf.

Aber der gute Mann ist kein Jude, Moslem oder Christ - er ist Pastafarianer. Dementsprechend ausgefallen ist auch seine Kopfbedeckung: er trägt ein Nudelsieb. Beim Pastafarianismus handelt es sich um eine vom Physiker Bobby Henderson ins Leben gerufene Religion(sparodie), deren zentrale Glaubensinhalte die folgenden sind:
- die Welt wurde vom fliegenden Spaghettimonster erschaffen, welches selbstverständlich nicht nachweisbar ist
- es müßen Pirateninsignien getragen werden; die Lebensmaxime lautet "What would a pirate do?" . Immerhin ist die sinkende Anzahl von Piraten Ursache für globale Erwärmung und Co.
- Im Himmel warten Biervulkane und Stripper auf die Gläubigen
- und wer noch mehr wissen will, konsultiere Wikipedia.

Der gute Mann kam also auf die Idee, den Antrag auf seinen Führerschein mit religiös inspiriertem Lichtbild zu stellen, da das in Österreich rechtens ist. Das Unglaubliche daran kommt allerdings erst noch: nach dreijährigem Warten wurde ihm das zunächst verboten, und als er insistierte, bekam er eine Vorladung zum Amtsarzt, um zu prüfen, ob er "psychisch befähigt sei, ein Auto zu lenken"!

Aufgrund seiner mit der religiösen Überzeugung einhergehenden Kopfbedeckung wird also in Frage gestellt, ob der Mann geistig gesund genug ist, um zu fahren. Eigentlich eine gute Sache - würde es mit all den anderen Religiösen, welche ein Kopfbedeckungsfoto fordern, ebenso gemacht.
Wieso ist folgendes nicht denkbar:
"Ich möchte auf meinem Führerscheinphoto ein Kopftuch tragen."
- "Wieso?"
"Es ist meine religiöse Überzeugung, daß ein Wesen, dessen Existenz ich nicht belegen kann, erst seine Schriften, dann seine Engel, dann seine Propheten auf die Erde geschickt hat, um uns zu sagen, daß wir uns an seine Regeln halten müßen, um nicht im Höllenfeuer zu landen. Dazu gehört nunmal, daß ich ein Kopftuch trage, da ich sonst jeden Mann in meinem Umfeld sexuell errege; niederes Wesen, das ich bin! Mein Lieblingsprophet hat übrigens eine Neunjährige gevögelt; er ist uns allen Vorbild!"
- "Jemand rufe dieser Frau einen Arzt! Sie muß auf geistige Gesundheit überprüft werden! So kann sie kein Auto lenken!"
Was ist am Glauben an ein fliegendes Spaghettimonster irrsinniger als am Glauben, dass ein kosmischer jüdischer Zombie, der sein eigener Vater war, einen unsterblich machen kann, wenn man symbolisch sein Fleisch isst und ihm telepathisch mitteilt, dass man ihn als seinen Herrn und Meister akzeptiert, damit er eine böse Kraft von der Seele nehme, die auf jedem Menschen lastet, seit eine Frau, ihrerseits aus einer Rippe geschaffen, von einer sprechenden Schlange dazu überredet wurde, die Früchte eines magischen Baumes zu essen?
Genau: nichts.

Ich kann nicht glauben, daß hier unterschieden wird zwischen einem mehr (Flying Spaghetti Monster) und einigen angeblich weniger (Gott/Allah/...) verrückten Phantasiefreunden. Der Evidenzgrad für alle ist gleich hoch (nämlich null) und dementsprechend groß ist auch die Rechtfertigung dafür, auf einem amtlichen Dokument ein dem imaginären Freund Demut zollendes Stück Stoff (oder Sieb) zu tragen...

Letztendlich haben die guten Österreicher das außergewöhnliche Führerscheinbild doch zugelassen. Es ist wohl alles besser als Laizität...


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