Samstag, 13. August 2011

Erlöse uns von den Bösen...

Dieses Jahr werden es genau zehn Jahre sein, die seit dem Anschlag auf das New Yorker World Trade Center vergangen sind. Zum Gedenken daran wird seit Jahren das 9/11-Memorial errichtet, das dieses Jahr teilweise und nächstes Jahr komplett eröffnet werden soll.
Nun gibt es da ein Problem; es gibt Bedenken, die ich teile: ein Teil dieses Bauwerks wird ein riesiges christliches Kreuz sein (bzw. ist es schon; zwei Balken des zertrümmerten WTC ergaben ein "perfectly shaped cross" - das kann ja nur Gottes Werk sein!). Und nur das. Keine Symbole anderer Glaubensgemeinschaften, denen zweifellos zahllose Bürger New Yorks und der USA angehören. Keine Symbole nichtreligiöser Gruppierungen, die in den Vereinigten Staaten viele Anhänger zählen. Aber das ist nicht der einzige Punkt: die Opfer, derer gedacht werden soll (sowie ihre Angehörigen) - sie waren (und sind) zu ca. 50% keine Christen.
Zu dieser Erkenntnis kommen die "American Atheists", die am 26. Juli 2011 Klage gegen dieses Vorhaben einreichten. Wie in der Klageschrift zu lesen ist, führen sie die Verletzung der amerikanischen Verfassung und diverser Gesetze und Beschlüsse an. In einem anderen Blog wird zusammengefaßt:
According to the lawsuit, among the 2,792 people killed in the twin towers, 31 were Muslim Americans, approximately 400 to 500 were Jewish Americans, approximately 500 were non-religious Americans, and an unknown number were Americans of other faiths. (So, about half of the people who died were not Christian.)
Ganz abgesehen von dieser Rechnung finde ich das Symbol einer monotheistischen Religion, die durch ihren Alleinherrschaftsanspruch derjenigen, die für diesen Terroranschlag verantwortlich ist, in nichts nachsteht und mehr noch - in solchen Vorkommnissen eine Strafe Gottes sieht oder ihre durch Verlust verheerten Anhänger mit der Theorie von dessen ungergründlichem Willen auf groteske Art und Weise zu trösten versucht, dort wirklich fehl am Platze... ich kann diesem Vorhaben also nur zustimmen.

Tja, damit stünde ich in den USA aber wohl allein auf weiter Flur. Selbstverständlich gab es einige Berichterstattungen und Diskussionen darüber im US-Fernsehen. Der Punkt, zu dem ich aber eigentlich kommen möchte, ist folgender: Nachdem Blair Scott, der Sprecher der American Atheists, bei den Fox News war, rief deren Facebook-Seite zur Diskussion auf, die von unerfreulichen Kommentaren Nächstenliebe praktizierender Christen gespickt war. Hier sind meine Highlights:


Herrn Michael Perri finde ich besonders amüsant, weil er in seinem offensichtlich von Hass nicht ungezeichneten Beitrag die Atheisten des unbändigen Hasses bezichtigt. Ich muß mich allerdings schon fragen, ob es im Laufe der Geschichte mehr Zerstörung durch liebesinduzierte Religionskriege oder durch die allseits bekannten großen Atheistenkriege gegeben hat...

Kandidat Nr. 2:


Dieser nette Mann hier möchte, daß alle Atheisten ans Kreuz gehängt werden und qualvoll verenden, um dasselbe durchlitten zu haben wie ihr eingebildeter Zimmermannsfreund. Das Schlimme daran ist, daß fast 20 Leute sich hier genötigt fühlen, den "Like"-Button zu bedienen.

Für mich am schlimmsten war allerdings dieser Beitrag:


Dieses so nett aussehende Mädchen, das auf ihrer FB-Seite inzwischen mit einem friedlichen Gospelchor abgebildet ist, wünscht ihren nichtgläubischen Geschlechtsgenossinnen das wohl Schlimmste, was einer Frau passieren kann: sie wünscht Ihnen, vergewaltigt zu werden. Dieses Überwinden jeder Schamgrenzen, das komplette Fallenlassen von Empathie und Nächstenliebe zeigt auf grauenvolle Weise, wie weit die Anhänger dieser Religion gehen können, wie weit sie von Moral abrücken können, von den Grundprinzipien ihres Glaubens, wenn sie ihn angegriffen sehen. So solide kann der moralische Unterbau vieler Christen wohl nicht sein, und auch, wenn viele Christen solche Aussagen nicht unterstützen würden: die anti-atheistische und gewaltverherrlichende Kommentarflut beweist, daß beleibe nicht alle Jesus-Fans alle anderen liebhaben.

Glaube ist nicht verantwortlich für Moral - er abstrahiert Leid vom moralischem Empfinden anhand eines absurden Verhaltenskodex, den zu halten immer gefährlicher wird. Und es darf einem Sorge bereiten, daß in einem Land, das vor technischem Fortschritt strotzt und mehrere hundert Millionen Einwohner zählt, der christliche Fundamentalismus mit einem 50%igen Kreationistenanteil auf dem Vormarsch ist.
Bleibt abzuwarten, wie das weitergehen soll...

1 Kommentar:

  1. volle Zustimmung hier.
    Allerdings auch mit Pat Condell, der sich zurecht gegen den Plan, an Ground Zero eine Moschee hinzustellen, ausspricht:
    http://patcondell.libsyn.com/no_mosque_at_ground_zero

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