Mittwoch, 21. September 2011

Der gute alte Pontifex

Hach ja. Pontifex maximus – der Papst als Brückenbauer. Was für eine naive Utopie. Der Mann, dessen Posten als selbsternannter Vertreter eines schizoid anmutenden Phantasiefreundes (ob nun missgünstig, zornig, homophob, willkürlich grausam oder liebend, vergebend und seinen Sohn opfernd) meiner Meinung nach abgeschafft gehört, ist vermutlich das genaue Gegenteil eines Pontifex. Er zerschlägt sie, die Brücken. Durch Verbreitung seiner Dogmen schafft er Hass und Abscheu. Beispiele?
Treue Anhänger seiner Lehre hassen Schwule und Lesben. Sie halten deren sexuelle Orientierung für eine große „Verirrung“ (s. Frontal 21, ZDF, 20.11.2011), die der „Heilung“ bedarf.
Sie verabscheuen Frauen, die aufgrund schlimmer Umstände einen Embryo abtreiben, sei es Krankheit, Bedrohung des eigenen Lebens oder eine Vergewaltigung.
Durch seine Ablehnung von Kontrazeptiva säht der gute Ratzepoop Krankheit und Elend (s. HIV-Infektionen in Entwicklungsländern).
Auch ist keine öffentliche Entschuldigung für die Missbrauchsopfer katholischer Priester bei des Papstes Deutschlandbesuch geplant.
Wo baut dieser alte Mann bitteschön Brücken?

Leider wird diesem treuen Verfechter irrwitziger Vorstellungen (fertig gebackenes Brot rauscht vom Himmel; die Menschheit entsteht in einem Schlangengarten aus einem Kerl und seinem apfelhungrigen Rippenabkömmling; eine Frau, die niemals Sex hatte, gebiert Gottes Sohn, nur damit dieser sterben kann; ein alter Mann teilt das Meer mit ein paar Wullu-wullu-Sprüchen und verschließt es rechtzeitig vor den nachrückenden Verfolgern wieder; Brot und Wein werden zu Jesu Leichenteilen;… nichts, was sich nicht mit Wahnvorstellungen bzw. Geisteskrankheit oder reger Phantasie erklären ließe), der diese zur „historischen Realität“ erhebt, im Jahre 2011, nach gehabter Aufklärung, immernoch nicht nur Platz geboten im „säkularen“ Deutschland – nein: er wird gefeiert, seine Ankunft wird zelebriert, man schreit „wir sind Papst“ und rollt ihm einen Teppich nach dem anderen aus. Er predigt im Fernsehen, er predigt in Fußballstadien, er trifft bedeutende Politiker. Er wird nicht, wie es sein sollte, bemitleidet, ausgelacht, inhaftiert und in die Klapsmühle gesperrt. Auch die Klage, die gegen ihn eingereicht wurde, wird sicherlich mit keinem Wort erwähnt.
Dieser irre, bösartige Heuchler, der das Kunststück vollbringt, ein stockschwuler Schwulenhasser zu sein, darf in einem aufgeklärten Staat vor dem Bundestag sprechen!


Möglich wird das, weil man ihn zum Staatsoberhaupt deklariert. Wir sollten jeden kirchlich legitimierten Kleinstaatmonarchen vor den Bundestag einladen. Politisch wird er wenig zu sagen haben – wer hat nicht schon im 21. Jahrhundert auf eine ordentliche Bundestagspredigt gewartet?! Wie kann man einen Mann, der die Gleichstellung von Mann und Frau sowie die sexuelle Selbstbestimmung vehement verneint und aktiv Kinderschänder vor der Überstellung an die Justiz schützte, vor dem Parlament eines die Menschenrechte achtenden Staates sprechen lassen?
Einem Monarchen mit moralischem Alleinherrschaftsanspruch, der den Evangelischen den Status einer Kirche abspricht, die Muslime und Juden beleidigt, sich mit der Piusbruderschaft auf guten Fuß stellt und dessen Vertreter den mit Boykott drohenden Bundestagsabgeordneten attestiert, sie festigten das Bild des „hässlichen Deutschen“ – dem muß auch noch der Staubzucker in den Hintern geblasen werden, indem man die leeren Bundestagssitze mit Dummies auffüllt. Ich frage mich langsam, wo wir leben.

Lustig wird auch folgendes: der Papst trifft auf seiner Reise ausschließlich Menschen, die er moralisch verurteilen muß.
Christian Wulff, unser Bundespräsident, ist geschieden und hat wieder geheiratet. Laut katholischem Kirchenrecht ist er damit exkommuniziert.
Die bei der Bundestagsrede Anwesenden CSU-Parteihohen Hasselfeldt und Seehofer sind in der gleichen Situation.
Klaus Wowereit, den er in Berlin treffen wird, ist schwul.
Guido Westerwelle, Vizekanzler und im Bundestag: schwul.
Kanzlerin Angela Merkel ist geschieden und wieder verheiratet. Und evangelisch.
Bundestagspräsident Lammert und Anette Schavan richteten jüngst ein zölibatkritisches Schreiben an den Vatikan. Oh, oh…
Ob darauf angesprochen wird? Sitzen die armen Sünder dann mit hochrotem Kopf in ihren Stühlen? Oder ist diese Veranstaltung, wie alles andere an diesem teuren, pompösen und grotesk aufgebauschten Tamtam namens „Papstbesuch“, ein heuchlerischer Haufen Verdauungsendprodukt?

Traurige Welt. Trauriges Deutschland.

Kommentare:

  1. Ich muss sagen, das eine Bild was die Runde gemacht hat direkt nach Ratzigers Wahl ist noch das Treffendste - er ist der böse Imperator aus Star Wars. Letztlich hat er den imperialen Geheimdienst geleitet (hatte nicht Ratzinger früher eine ähnliche Stelle bei der nachfolge-Orga der Inquisition?) und alleine die Augenringe entlarven ihn als Sith-Anhänger, find ich.

    Aber wo dieser Mann Brücken baut kann ich Dir beantworten und wer die benutzt, er ist ein wenig wie die O.D.E.S.S.A. für das Kirchenpersonal welches aufgrund von Mißbrauch in Ungnade gefallen ist weils so dämlich war sich erwischen zu lassen. Ob der wohl auch nach Südamerika exportiert? Ich hab gehört die Kreuzkriecher sollen da so einige Filialen unterhalten.

    Der letzte Part von Deinem Post hat mir übrigens gerade ein fieses Lächeln abgerungen. :]

    Grüße,
    Arnoc

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  2. Hach ja, der fiese Imperator: das trifft es recht gut. Ich bin mir auch sicher, daß der Ratzepoop seinen kindermißbrauchenden Priestersondermüll nach Südamerika schickt (hat sich ja in dern 40er/50er Jahren bewährt, die Methode).

    Und ja, diese Inquisitionsstelle hatte er inne; da wird ja nicht mal ein Geheimnis draus gemacht. Aber bei all den Absurditäten und Unglaublichkeiten, die ohnehin schon bekannt, "historisch real" oder Brauchtum sind, macht es sowieso keinen Unterschied mehr...

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