Montag, 24. Oktober 2011

Shairon und die Gworms - UND ein Religionswettbewerb!

"Ich möchte eine Religion gründen. Dort liegt das Geld." 
- L. Ron Hubbard an Lloyd Eshbach, 1949

Der gute Mann, Gründer der Sekte „Scientology“, hatte Recht! Und er setzte sein Vorhaben erfolgreich in die Tat um, wie wir alle anhand schmerzlicher Gegenwartsphänomene wie Tom Cruise erfahren mußten. Als ich heute morgen folgendes Bild erspähte, dachte ich mir, daß ich diesen hilfreichen Tipp nur zu gerne selbst in die Tat umsetzen würde. Wer will daraus keine Religion basteln?

Einige aufgebrachte Gworms in der vormenschlichen Welt.
Richtig. Da kann man nicht widerstehen. Deswegen werde ich es auch nicht tun. Wir würzen diese Religion mit allem, was dazugehört: Angst, Belohnung, Sanktion, Jenseits, Gebote, Sünde, imaginären, in ihrer Existenz unbelegbaren Wesen und dem hanebüchenen Ausnutzen gegenwärtigen Wissenslücken sowie dem Auffüllen selbiger mit Mumpitz (wobei das auch auf wissenschaftlich belegte und anerkannte Tatsachen übertragen werden kann und zur Leugnung selbiger führt).
Fangen wir an!

Das Elementarste daran: unser höheres Wesen. Da wir in allen „erfolgreichen“ Religionen einen Patriarchen an oberster Stelle haben, wollen wir von diesem Konzept nicht abrücken. Wir wählen einen bärtigen, dicken Herrscher namens Shairon. Shairon lebt im Inneren der Sonne – und niemand kann das Gegenteil beweisen! Seine Liebe und Macht strahlt die Wärme und das Licht ab, das bei uns ankommt. Er ist schwer und kräftig und deswegen für die vermeintlich gravitativen Effekte der Sonne verantwortlich. Shairons Propheten sind die Gworms. Das sind die netten Freunde auf dem Bild oben. Bevor die Menschheit erschaffen wurde (vor ca. 10.000 Jahren) lebten sie auf Erden und bereiteten diese für die Ankunft des Menschengeschlechts vor. Sie sind die Handlanger Shairons und wenn dieser ob der Missetaten der Menschen zu wütend wird, sendet er sie wieder aus in Richtung Erde. 1912 kam in Sibirien ein Warnschuss an, doch der Mensch gehorchte weiterhin schlechter und so ist zu befürchten, daß die Gworms innerhalb der nächsten Jahre wieder auftauchen, uns alle zu richten. Mit ihren Laseraugen und ihren Engelsschwingen, die den Ungläubigen mit einem Schlag das Genick brechen…

Nun gut, was will Shairon denn nun eigentlich? Er möchte, daß die Menschen nach seinem Vorbild leben. Sie sollen an ihn glauben, lieben und stark sein (ein Körperfettanteil von über 18% ist nicht tolerabel, weshalb die USA als erstes von den Gworms heimgesucht werden). Außerdem verbietet er den Genuss fleischloser Kost. Tofu ist eine Todsünde und wer davon ißt, muß in den Folgejahren (meist ca. 2-80) sterben. Außerdem wird, wie in allen Religionen, die menschliche Sexualität als Sünde deklariert. Das hat sich in den vergangenen Jahrhunderten als sehr hilfreich erwiesen und bietet eine unerschöpfliche Möglichkeit, Gläubige zu erpressen (denn ihren Trieben folgen werden sie sowieso, aber nur Shairon bietet Erlösung von der Sünde). Shairon hatte eine Reihe irdischer Vertreter, z.B. Arnold Schwarzenegger oder Hulk Hogan, die aber aufgrund ihrer mangelnden intellektuellen Fähigkeiten raus sind. Zum Glück jedoch gibt es mich, und ich verwalte Shairons irdisches Bankkonto (ich muß diesen Verein schließlich irgendwie verwalten).
Für das Einhalten seiner Verhaltensregeln bietet Shairon ewiges Leben im Inneren der Erde (und wer einen entsprechenden Betrag gespendet hat, tritt sogar ein in sein Sonnenreich); leider ist, wie bei allen Religionen, noch niemand zurückgekommen, von eben jenem zu künden. Da hilft nur blinder Glaube, und das ist, was wir nun alle brauchen. Auch an Verbrüderungsgesten wie Chorgesängen, die jeden Tag um 13:49h abgehalten werden müßen, darf es nicht fehlen. Ein Liederbuch kann muß gegen einen geringen Unkostenbeitrag erstanden werden.

Also: die Sonne existiert nicht, sie ist nur die blendende Behausung eines fleischliebenden Gottes, der Terror und Verderben auf die Erde schicken wird, wenn ihre Bewohner weiter so fett, lieblos, sexaffin und zahlungsunfreudig bleiben. Das wird bald sein. Zudem ist die Teilnahme an diversen Lehrveranstaltungen (gegen einen geringen Unkostenbeitrag) Voraussetzung, um Zugriff zum heiligen Buch, der Shairia, zu erhalten – und nur dieses enthält die wahren Weisheiten des Lebens.

Ein paar Worte zur Schöpfungsgeschichte: Natürlich existiert Shairon schon immer in seiner kleinen Energieblase, aber vor ca. 12.000 Jahren entschied er sich, Raum und Zeit zu erschaffen und in seiner Reichweite einen Planeten des Lebens zu formen. Die Gworms, damals noch lieb und nicht eifersüchtig auf ihre Ziehkinder, die Menschen, bereiteten 2.000 Jahre lang die Erde vor und staffierten den Nachthimmel aus mit allerlei Bildern und Illusionen, die der Mensch heute „das Weltall“ nennt. Alle Versuche, es zu ergründen, etwa mit Teleskopen und Satelliten, werden von den Gworms manipuliert und erwecken so den Anschein, „da draußen“ gebe es etwas. Das macht Astrophysik völlig überflüssig: das Ende aller Gedanken ist Shairon. Better get used to it!
Nachdem das Erdenreich also geschaffen war, erschuf Shairon den Menschen aus einem ordentlichen Stück T-Bone-Steak. Unschönerweise begann der Mensch, Fragen zu stellen und blasphemisch den Kosmos ergründen zu wollen, anstatt sich einfach an der allgegenwärtigen Energie zu erfreuen. Das verärgerte die in Demut geübten Gworms und ließ sie den Menschen als undankbares Pack ansehen – was in absehbarer Zeit zu einer Art Endschlacht führen wird, die nur durch blinden Gehorsam und das Eingrenzen der Wissbegierde hinausgezögert werden kann. Auch ekeln sich die Gworms vor menschlichem Sex. Jeder, der es treibt, läßt also die tödliche Schlacht ein wenig näher rücken. Absolution hiervon kann nur erfahren, wer ein von mir beglaubigtes Dokument zur Erlösung erstanden hat. Dann wartet aber auch Glückseligkeit deluxe! Wer diesem Rat allerdings nicht folgt, trägt mehr zur negativen Energie auf Erden bei, die durch schlechte Schwingungen im Befinden der Gworms verursacht wird und für Phänomene wie Migräne, Bluthochdruck und Streitereien verantwortlich ist (und für Reizdarm und Glaukom).

Wir halten also fest: es gibt wenig, und das, was es gibt, unterliegt einem strengen Gott und seinen zornigen Boten, denen wir durch Enthaltsamkeit, Demut und Großzügigkeit dienen und sie besänftigen können.

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Ich habe hierfür etwa 10 Minuten gebraucht und stelle mir folgende Fragen:
1)      Sind die Schöpfungsgeschichten, Gestalten und Gebote anderer Religionen irgendwie irrsinniger als diese hier? Ich denke nicht.
2)      Wieso werden die also geglaubt? Gäbe es Menschen, die bereit wären, dieser Geschichte hier zu Glauben zu schenken? Ich denke schon. Und das ist beängstigend.
3)      Ist es nicht erstaunlich zu sehen, mit wie wenig Aufwand und den immer gleichen, mühelos durchschaubaren Mustern man eine Menschenmasse in Schach halten kann? Die Zutaten sind die gleichen, ob für Shaironismus, Christentum, Islam, Judentum  oder andere. Jenseits, Gebote, Sünde, Absolution, Wissenschaftsfeindlichkeit (und ggf. bescheuerte Essensvorschriften), Erklärung des Unerklärlichen durch Mythen, Einfordern von Demut und blindem Gehorsam, nicht falsifizierbare (und nicht verifizierbare) Herrschergestalten und Versprechen…
Ich fürchte fast, daß L. Ron Hubbard, wenn er meine Geschichte statt der seinen, viel bescheuerteren, öffentlich gemacht hätte, ebenso viele Anhänger hätte sammeln können. Und wer nicht glaubt, daß seine Geschichte noch viel hirnloser ist als meine, mal eben zusammengesponnene, möge hier nachlesen: Klick.

Ich würde so gerne einmal austesten, wie viel vom Leben enttäuschte Esoterik-Schwurbler sich eine auf diese Weise ernsthaft vorgetragene Theorie anhören und sie glauben würden. Ich glaube, es wären viele.

Und weil es so viel Spaß macht, fordere ich diejenigen, die das hier lesen, auf, gern ihre eigene Religion zu kreieren. Wir können dann austesten, welche besser ankommt. Seid kreativ! Und laßt es mich lesen!

Kommentare:

  1. :-D sehr schön - jaja, so ist es wohl mit der Religion (http://www.scienceblogs.de/bloodnacid/2011/06/eine-kraft-zum-bosen.php).

    Aber wenigstens gibt es bei dieser hier Fleisch.
    Und welche Position/Bedeutung hat Hase?

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  2. Hase ist der erste Prophet Shairons, quasi mein Assistent. Und er ist ein ernster Hase. Daß die Gworms den Bären so ähnlich sehen, ist übrigens kein Zufall: als kleines Gimmick haben sie den Bären nach ihrem Abbild geschaffen. Der Bär ist also unser heiliges Tier und der Yosemite National Park in den USA unsere Pilgerstätte.

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