Montag, 28. Februar 2011

Fundstück: Edel sei der Mensch,...

... hülfreich und gut. Ja, da war Goethe aus der Phase des Stürmens und Drängens schon wieder raus, als er diese reichlich optimistische Idee in den Äther schleuderte. Um es kurz und bündig zusammenzufassen: Religion has proved him wrong. Bei einer Recherche über die Verwendung von Kirchensteuern stieß ich auf folgende Berichte:
Hier geht es um den Mißbrauchsskandal in Irland, der 2009 für Furore sorgte. Dort sind Kinder in kirchlichen Einrichtungen geschlagen, gedemütigt und zum Teil von mehreren Geistlichen auf einmal vergewaltigt worden. Die Prävalenz solcher Vorfälle ist im Katholizismus besonders hoch, und beweist nicht nur, was für ein schwachsinniges System das Zölibat darstellt, sondern auch, wie standfest die Moral der selbsternannten moralischen Höchstinstanz ist. Hilflose Kinder mehrfach zu verprügeln und zu vergewaltigen, ihnen - wissentlich - das Leben zu verderben, und all das im Namen des Herrn... all das zeigt, wie Religion den Geist zerrütten kann. Denn: egal, wie sehr einen die sexuelle Enthaltsamkeit nervt - wie viel Grausamkeit muß sich in einem Menschen anstauen, wenn er sogar die eherne Grenze des eigenen Gewissens (das ja zugegebenermaßen bei diesen Fundamentalisten nur durch Gott und nicht durch eigenes (Un)Rechtsbewußtsein konstituiert wird) einfach übergehen kann? Mehrfach? In tausenden Fällen in ganz Irland?
Weiterhin schlimm und pervers ist, daß der Staat diesen ganzen Spaß finanziert hat, indem er die Opfer mit Pro-Kopf-Prämien entschädigt hat. Der Steuerzahler zahlt für notgeile, kriminelle Geisteskranke.
Aber das ist ja schon bekannt.

Wirklich verstört hat mich der Forenbeitrag eines Gläubigen dazu, der einmal mehr aufzeigt, wie wenig Kirche und Religion damit zu tun haben, auch nur im Ansatz ein edler, hilfreicher und guter Mensch zu sein. Einige Auszüge aus dem Wüten dieses Menschen:
Ist doch alles wieder nur die übliche Scheißhauspropaganda. Da rächen sich heutige Rentner, die ihre damaligen Traumata als "verwaiste" Kinder nicht aufarbeiten konnten.
Es sind Männer wie [...], die lügen, daß die Balken krachen, nur um der Kirche zu schaden.
Der denkende Mensch muß aber doch fähig sein, die Wahrheit von den Lügen [der] Haß- und Hetzfressen unterscheiden zu können.
Tja, wo bleibt da der gute Mensch, den Kumpel Jesus so gerne gehabt hätte?

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P.S.: Hier ein weiteres Beispiel für das gute und liebe Wesen religiöser Menschen.

Es ist nicht zu fassen!

Wieder einmal hab ich mich irrsinnigerweise aus Faulheit darauf eingelassen, das Radio laufen zu lassen, nachdem ich es zu Informationszwecken kurz eingeschaltet hatte. Und was mußte ich hören? Die Foo Fighters werden heute abend dort ein Radiokonzert geben. Wir erinnern uns - ja, genau die Foo Fighters, die sich nicht nur dazu bekennen, den Zusammenhang zwischen HIV und AIDS in Frage zu stellen, sondern auch noch ihre Popularität "nutzen" wollen, um die Idee in der Welt zu verbreiten.
Diese Band unterstützt die Organisation "Alive & Well", die folgendes proklamiert:
  • HIV verursacht kein AIDS
  • HIV-positive Menschen sollten keine antiretroviralen Medikamente einnehmen
  • HIV-Tests sollten generell verboten werden
  • Therapie bei HIV-Infektionen sollte u.a. Homöopathie, ayurvedische- und Kräutertherpaie sein
  • Die wahren AIDS-Auslöser sind Stress, Drogen und die AIDS-Medikamente selbst (böse Pharmaindustrie - natürlich!)
Die Foo Fighters haben sich nicht nur öffentlich zu einem der unsäglichen Schriftstücke der Organisation bekannt, sondern auch ein "Benefiz"(HAHAHA!)-Konzert für sie mitorganisiert und Songs zum Soundtrack eines Anti-AIDS-Films beigesteuert. Außerdem erklären sie diese anti-wissenschaftliche und völlig kranke Ansicht auf ihren Konzerten, vor Jugendlichen, die (gerade in den USA) sexuell sowieso oft nicht hinreichend aufgeklärt sind.
Das ist ein Schlag ins Gesicht für Erkrankte und Hinterbliebene, für Forscher und Ärzte.
Übrigens - die Gründerin der Alive&Well-Organisation, Christine Maggiore, hat selbst ein leuchtendes Beispiel dafür abgegeben, wie harmlos das HI-Virus ist. Sie starb mit 52 an AIDS; unbehandelt. Aber nicht, ohne vorher ihr dreijähriges Kind an unbehandeltem AIDS elendig sterben zu lassen! Widerlich und kriminell! (Anm.: in Anbetracht dieser Tatsache explodiert mein Ironie-meter übrigens, wenn ich mir den von ihr erdachten Namen ihren Verbrecherorganisation nochmals betrachte. Alive&Well - epic fail)

Nun, daß so einer Band bei einem großen Radiosender wie 1Live eine Plattform geboten wird, ist mir vollkommen unerklärlich. Zumal sich die von mir o.g. Informationen sogar schon auf der amerikanischen Wikipedia-Seite der Band finden. Ein solches Abstrahieren darf gerade auf öffentlichem Terrain nicht möglich sein. Selbst, wenn "The Hitlers" die tollste Musik machen würden - würden sie in ihrer Freizeit die Abschlachtung der Juden gutheißen, ja, sogar populär machen wollen, würde sie auch keiner hören wollen oder gar spielen lassen, oder irre ich?

Also schrieb ich, nach der tausendsten Lobeshymne auf Dave Grohl, Nate Mendel & Co. eine Mail ins Studio und wartete fast zwei Stunden lang auf irgendeine Art der Reaktion. Die natürlich ausblieb. Einen kritischen Beitrag hätte ich nicht erwartet, aber zumindest ein Distanzieren von derlei Verbrechen? Nein, nein, immer noch mehr Beweihräucherung - bis es mir zu blöd wurde. Erzürnt rief ich bei der "Lob und Kritik"-Hotline an und fragte, ob irgendwem dort eigentlich klar sei, wofür diese Band steht - denn immerhin hat es ja Kontroverse um dieses Thema gegeben?
Nein, das habe man noch nie gehört. Aber: "Wir werden jetzt bestimmt nicht das Konzert absagen, das ist nicht drin" - mit dem rotzig-beleidigten Unterton eines plötzlich mit ernsten Dingen konfrontierten Tiefgang-Verweigerers bzw. Kapitäns der heiteren Oberfläche. Auf meine Anmerkung hin, daß ich das nie gefordert habe, aber nicht verstehe, wie man derartige Fakten einfach hinnehmen kann und daß solche Ansichten durchaus gefährlich werden können, kam nur "Ich werd es an die Redaktion weiterleiten." Ich fügte hinzu, daß ich wenigstens auf eine Distanzierung von dieser Unglaublichkeit hoffe - wurde aber nur mit dem unverbindlichen "Ich leite es weiter" abgekanzelt. Und das von einem Jugendsender, der auch noch eine gefährdete Gruppe beliefert.

Woah, waren die angepisst.
WOAH, bin ICH angepisst!
Mal schauen, ob da irgendwas passiert, aber ich glaube nicht daran...

... wissender als Worte

Seine Hände

Hände - die zum Menschen machen
Ihn für die unwissend' Welt.
Mir jedoch sind sie Erwachen
Aus düst'rem Traum. Und durch sie fällt

Der Gram, die Wut von meinem Herzen.
Die Pein, die Angst von meiner Haut.
Was schattenreich sonst Narben schwärzen
Haben sie neu von Licht gebaut.

Bestimmt und stark mögen sie greifen,
In aller Zartheit dirigier'n:
In ihnen nur kann Wärme reifen
Wenn sie die meinen zärtlich führ'n.

Und es ist durch ihr Liebkosen
Daß ich, wenn ich außer mir
Durch seiner Wort' und Blicke Tosen,
Mich zur Gänze noch verlier'.

In diese Heiler geb ich mich
So gern: entflieh der Welten Krallen.
Wenn Raum, wenn Mensch, wenn Zeit zerbricht
Möcht ich in seine Hände fallen.

(c) Claudia, 2011

Donnerstag, 24. Februar 2011

"Daß ich erkenne, was die Welt..." - oder: Woher diese Angst?

Ich habe heute angefangen, ein großartiges Buch zu lesen. Es nennt sich "Das elegante Universum" und wurde von Prof. Brian Greene in der Absicht verfaßt, die Stringtheorie auf eine leicht verständliche Weise zu formulieren. An dieser Stelle möchte ich es gerne empfehlen; es ist hervorragend geschrieben und kann mit einem gewissen Anspruch aufwarten.
Doch das ist es nicht, was mich zu diesem Blogpost veranlasst hat. Um zur Sache zu kommen, muß ich ein wenig ausholen: wir gehen gegenwärtig davon aus, daß die Welt aus Atomen (und Molekülen) besteht; und diese wiederum setzen sich aus Protonen und Neutronen im Kern sowie Elektronen, die um selbigen schwirren, zusammen. Weiterhin lassen sich auf subatomarer Ebene Up-Quarks und Down-Quarks unterscheiden, die jeweils in Dreierpaketen Protonen oder Neutronen bilden.
Zudem gibt es noch weitere Teilchen, die im Weltall herumtänzeln (darunter Top-Quarks, Bottom-Quarks, Neutrinos, Positronen, charme-Quarks, Myonen, strange-Quarks, Tauonen, tralala, nur um sie mal erwähnt zu haben) und solche, die als Quanten der vier großen Naturkräfte gelten (schwache Kernkraft mit schwachem Eichboson, starke Kernkraft mit Gluon, elektromagnetische Kraft mit Photon sowie Gravitation mit dem hypothetischen Graviton). So weit, so gut.
Das sind also die Teilchen, die unser Universum ausmachen, laut dem, was viele kluge Menschen denken. Wirkt auf den ersten Blick ziemlich chaotisch und zufällig, außerdem ergeben sich fürchterliche Probleme dabei, den Quantenspaß mit der allgemeinen Relativitätstheorie zu kombinieren - ein Problem, das die Köpfe nun jahrzehntelang zum Rauchen gebracht hat.
Ich will mir hier garnicht rausnehmen, irgendwas an der Stringtheorie erklären zu können, nur so viel: laut dieser ist jedes der o.g. Teilchen durch einen unendlich dünnen Faden konstituiert; es besteht für sich nochmal aus einer oszillierenden, unvorstellbar winzigen Schleife - und die Eigenschaften des Teilchens ergeben sich daraus, wie diese Schleife schwingt.
Als mir das klar wurde, konnte ich nichts anderes tun als minutenlang zu staunen. Und mich zu freuen, über die Eleganz dieser möglichen Lösung (die übrigens auch das Dilemma mit Einsteins allg. Relativitätstheorie beheben könnte) und über die Idee, daß alles, alles was wir sind, wahrnehmen und tun darauf basiert, daß winzige Strings unterschiedlich schwingen. Allerdings wertet das Gros der Menschen das wohl anders; diesen Anschein erweckt zumindest das Buch...

"An der reduktionistischen Vorstellung scheiden sich die Geister. Viele finden es töricht und geradezu empörend, wenn jemand behauptet, die Wunder des Lebens und des Universums seien lediglich Ausdruck des sinnlosen Tanzes mikroskopischer Teilchen, die sich nach den Gesetzen der Physik richten. Ist es wirklich so, daß Gefühle wie Freude, Trauer oder Langeweile nichts anderes als chemische Reaktionen im Gehirn sind - Reaktionen zwischen Molekülen und Atomen, die, auf noch fundamentaleren Ebenen, Reaktionen zwischen den Teilchen [s.o.] oder gar zwischen schwingenden Strings sind? Zu dieser Art der Kritik meint Nobelpreisträger Steven Weinberg [...]:
Am anderen Ende des Spektrums stehen die Gegner des Reduktionismus, die über die Trostlosigkeit der modernen Wissenschaft entsetzt sind. Gleichgültig, in welchem Ausmaß sie und ihre Welt sich auf Teilchen oder auf Felder und deren Wechselwirkung reduzieren lassen, sie fühlen sich durch dieses Wissen herabgesetzt ... Diesen Kritikern möchte ich nicht mit aufmunternden Worten über die Schönheit der modernen Wissenschaft antworten. Das reduktionistische Weltbild ist tatsächlich kalt und unpersönlich. Man muß es akzeptieren, wie es ist, nicht weil wir es mögen, sondern weil die Welt eben so beschaffen ist.
[...]"

Ich war sehr verwundert über solche Formulierungen. Für mich hat nicht einmal die Bezeichnung des Reduktionismus seine Berechtigung, denn selbst, wenn man alles sein auf diese kleinsten Saiten "herunterbricht", so gewinnt man dadurch doch nur: Erkenntnisse; Möglichkeiten, endlich scheinbar Unvereinbares zu verbinden; einen komplett neuen Eindruck von Raum und Zeit; und nicht zuletzt Ehrfurcht, Ehrfurcht, Ehrfurcht. Vor all dem Unglaublichen, was aus dem Schwingen und Tanzen winziger Strings entstanden ist und nur unter genau diesen Konditionen entstehen konnte. Sie sind der Grund, wieso ich hier sitzen, das schreiben und verstehen kann. Das, liebe Menschen, ist keine Reduktion im universellen Sinne - das ist ein Schlüssel zur Dankbarkeit dem Weltenlauf gegenüber und zur unendlichen Freude, durch all das die Schönheit der Welt und des Kosmos einen Wimpernschlag lang erleben zu dürfen.
Was ist daran trostlos? Natürlich mag das Universum "kalt" sein und unbeeindruckt von uns Menschen, gar "unpersönlich" - aber ist es nicht das, was uns frei macht? Und ist es nicht das, was ihm die mächtige Schönheit verleiht? Auf welchem Roß sitzen wir Menschen, wenn wir denken, das Universum schulde uns etwas - etwa persönliche Zuwendung oder Reaktion auf unser Dasein? Wir sind hier für einen Windhauch, wir können unsere Spuren hinterlassen, und die Welt wird auch ohne uns wunderbar weiterlaufen. Wir, Kinder des Zufalls und der Gesetze des Kosmos; wir, die wir durch tänzelnde Schleifen hindurch zum Sein, Fühlen und Denken gelangen, wir haben ein Geschenk erhalten, dessen unfaßbare Schönheit sich uns mit jeder neuen Erkenntnis offenbart, die wir der Welt abringen können. Und so auch mit dieser - wenn man es nur zuläßt, vermag es zu Tränen zu rühren. Und die Angst verliert sich da, wo wir eine Aufgabe finden.

Zum Schluß dieses Beitrags möchte ich noch ein Zitat aus dem Buch anführen, das gleichermaßen ein Plädoyer für das oben angedeutete Denken und für die Schönheit der String-Theorie (und der wissenschaftlichen Erkenntnis an sich) ist:

"Das Universum ist von so wunderbarer Vielfalt und Komplexität, daß die Entdeckung der endgültigen Theorie, wie wir sie hier beschreiben, nicht das Ende der Naturwissenschaft bedeuten würde. Die Entdeckung der Weltenformel - der letztgültigen Erklärung des Universums auf fundamentaler Ebene, einer Theorie, die auf keine tiefere Erklärungsebene zurückgriffe - wäre das stabilste Fundament, auf dem unser Verständnis der Welt aufbauen könnte. Ihre Entdeckung wäre ein Anfang und kein Ende. Die endgültige Theorie wäre ein unmißverständliches Zeichen der Schlüssigkeit, ein Beweis dafür, daß wir das Universum im Prinzip tatsächlich verstehen können."
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P.S.: Jüngst erfreut mich auch die Physik als Grundlage einer naturwissenschaftlich orientierten Erkenntnistheorie. Aber damit wird sich ein anderer Blogeintrag beschäftigen...
P.P.S.: Hier geht es übrigens nicht darum, was an der Stringtheorie gut/richtig/cool/wahr ist und was nicht. Es geht vielmehr um Weltanschauliches.
P.P.P.S.:


Montag, 21. Februar 2011

Die Sterne vom Himmel...

... und die letzten Münzen aus dem Portemonnaie holen; zumindest eines von beiden können die Menschen, die sich als professionelle Astrologen versuchen und damit schon seit Äonen Menschen hinters Sternenlicht führen wollen. Sie wissen nicht nur um die Zukunft, sondern auch um die Beschaffenheit der Persönlichkeit ihrer Klienten. Nur fürs Protokoll: es gibt Menschen (und zwar nicht allzu wenige), die glauben, daß die Verteilung des Lichts (das Himmelskörper ausgesendet haben und das erst Jahrtausende und Jahrmillionen später auf der Erde ankommt) am Firmament irgendwas darüber aussagt, wie ich mich heute und morgen verhalten werde. Massereiche Körper, die sich vor Ewigkeiten gebildet haben und den Naturgesetzen gemäß entwickelt und verteilt haben sollen also einen Einfluss darauf haben, was für ein Mensch ich bin. Nicht etwa mein Umfeld, meine Sozialisation oder gar genetische Prädisposition, und auch nicht mein freier Wille, nein, nein... die zusammenphantasierten Verbindungslinien zwischen Sternen, die in antiken Köpfen Bilder ergeben haben, und deren Position zum Zeitpunkt meiner Geburt sind dafür verantwortlich.

Ein weiterer Grund, wieso alles in mir "Epic Fail" schreit: die "klassische Astrologie" kennt nur sieben "Gestirne" und entstand überdies in einer Zeit, in der man gemeinhin annahm, die Erde sei das Zentrum der Welt. Sie ging also auch auf astronomischer Ebene von vollkommen falschen Grundgegebenheiten aus, aber das ist ja... äh... vernachlässigbar, nicht wahr? Was passiert eigentlich, wenn sich die Gerüchte um den neu gefundenen Planeten Tyche bewahrheiten? Dann müßten die Horoskope ja eigentlich grundlegend überarbeitet werden; und so war es dann vermutlich auch beim Auftauchen und Verschwinden von Pluto, n'est-ce pas? Was ist mit den anderen Planetoiden am äußeren Rand des Sonnensystems - wieso spielen die keine Rolle, wenn es um mein Wohl geht?
Und auch nicht zu vernachlässigen ist die Frage, wieso denn vollkommen unterschiedliche Klassen von Himmelskörpern in eine Kategorie gepackt werden? Die sieben Gestirne sind Merkur, Venus, Mars, Jupiter und Saturn (Planeten, von denen ja doch der ein oder andere fehlt), die Sonne (Stern) und der Mond (Erdtrabant; und Monde gibt es ja nun wirklich viele in unserem Sonnensystem!). Ob Steinhaufen oder kosmischer Fusionsreaktor, ob sie das Licht, das wir sehen, selbst produzieren oder nur reflektieren, sie alle wirken gleichermaßen auf meine Psyche und mein Schicksal. Anscheinend.

Als nächstes interessiert mich folgendes: ich bin am 4.12. geboren, aber ich war ein "Spätchen". Mein Sternzeichen ist also der "Schütze". Dieser wird charakterisiert als Umgetriebener, Wahrheitsuchender, als Idealist und Abenteurer. Er ist energiegeladen, progressiv, strebt nach Weisheit und ist loyal. Ein "Feuerzeichen". Also durch und durch positiv und konstruktiv.
Nun war mein ursprünglich errechneter Geburtstermin aber der 20. November, und demnach wäre ich eigentlich ein Skorpion, der sich als nach Macht strebender und vom "Herrscherplaneten Pluto" (Black Hole Fail. Klingt Herrscherplanetoid nicht ein bißchen gay?) und damit dem Hades gelenkter Geheimnisvoller darstellt. Neben seinem Allmachtsanspruch ist er übrigens ein sehr zartes und gefühlsbetontes Wesen. Natürlich. Skorpion ist ein "Wasserzeichen".
Was denn nun? Oder wie ist es denn, wenn ein Kind früher geholt werden muß, weil die Mutter irgendwas anstellt, was zu Komplikationen führt? Der Termin differiert ja dann von dem von den Sternen vorgesehenen. Weil die Mutter eingegriffen hat, und nicht die Sterne. Ändert sich dann trotzdem das Wesen des Kindes? Auch, wenn es zu einem, in Sachen Zeitpunkt ja in gewissen Teilen der Willkür der Ärzte unterliegenden Kaiserschnitt kommt?

Natürlich möchte ich hier noch addieren, was mein chinesisches Horoskop sagt: ich bin ein Feuer-Hase. Dazu mußte ich meine Geburtsuhrzeit angeben, denn mein Stundenzeichen ist der Hund. Wäre ich zwei Minuten später geboren, wäre es das Schwein. Ein Blick auf mein Tageshoroskop verrät, daß ich, wäre ich tatsächlich 2 min später geboren, heute einen viel besseren Tag (mit Glück in der Liebe und im Beruf) gehabt hätte. Auch gesundheitlich wäre ich um einiges besser dran. Verdammt!
(Während der Schütze übrigens ein leidenschaftlicher Liebhaber ist, bleibt der Hase auch gerne mal sein ganzes Leben lang alleine und ist eher der ruhige, zurückgezogene Typ. Außerdem mag er keine Armut! Ich bin definitiv ein Hase! ...)

Auch schön finde ich, daß Neuberechnungen aufgrund der Präzession der Erde zu der Erkenntnis geführt haben, daß die Sternzeichen generell um eines verschoben sind. Ich wäre demnach tatsächlich ein Skorpion und jeder Stier wäre beispielsweise ein Widder. Stiere sind und wirken sexy, hingebungsvoll, besitzergreifend und entflammbar für andere; Widder sind und wirken unterkühlt und entrückt. Dödööö.
Insbesondere in Anbetracht der Tatsache, daß jede vom Leben enttäuschte, dicke Mittfünfzigerin mit starkem Interesse an Astrologie darauf schwört, daß ihr Sternzeichen zu ihr passe. Für dieses Klientel hier übrigens der Beleg, daß dem nicht so ist. Auch Richard Dawkins weiß das schön zu entkräften: ein Video dazu.

Zum Schluß noch ein kleiner Aufreger: ich mußte soeben den Begriff der Kosmobiologie entdecken, der sich wie folgt definiert und von mir nur mit einem weiteren Kopfschütteln und nicht mit weiteren Worten bedacht wird:
Zu Beginn des 20. Jahrhunderts tauchte unter dem Namen Kosmobiologie die Richtung einer „naturwissenschaftlichen und angewandten medizinischen Astrologie“ auf. In Abgrenzung zur klassischen Astrologie wurde definiert, Kosmobiologie berücksichtige Vererbung, Boden, Milieu; betone das Moralische und behaupte nicht, die Zukunft deuten zu können.
Aaaarrrggggh!
Wer auch immer vom Schicksal gebeutelten und in solchen Sphären Rat suchenden Menschen oder naiven Ommas mit solch einer Scheiße das Geld aus der Tasche zieht, oder seine Kinder sogar mit astrologischer Psychologie quält, ist moralisch auf demselben fürchterlichen Level wie Heilpraktiker, Homöopathen und sonstige Quacksalber und Betrüger. Widerlich.

Anm. 1: Weitere Informationen darüber hier - klicken, bitte. Und hier auch.
Anm. 2: Ich lese gerade, daß weitere Planeten bei Entdeckung auch mit eingeflossen sind in diese Leere Lehre. Natürlich hatten sie maßgeblichen Einfluß auf die Erfindungen, die im Jahr ihrer Entdeckung gemacht wurden. Wie sehr kann mein Hirn noch weh tun?
Anm. 3: Nicht unerwähnt bleiben darf natürlich, daß das hier nicht zum Spaß steht. Astronomie als Lebensberater ist schon so weit verbreitet, daß kaum eine Zeitschrift oder Zeitung ohne zumindest ein wöchentliches Horoskop auskommt. Dafür wird nicht nur Geld herausgeschmissen, es fördert auch auf unschöne Art und Weise stereotypisierendes und unskeptisches, irrationales Denken und unterwandert damit großflächig diese unsere Gesellschaft!


Donnerstag, 17. Februar 2011

Quello ch'io provo...

...vi ridirò: was ich euch zeigen werde, werdet ihr verlachen (heißt es bei Mozart). Bzw. würdet ihr, wenn es nicht so unendlich traurig und schockierend wäre, was gerade mit dieser Welt passiert. Diese Welt, die dank unserer weit gediehenen Gehirne in den letzten Jahren um so viel an Fortschritt und Möglichkeiten reicher geworden ist, die es uns erlauben, in vielen Sektoren nicht nur wertvolles Wissen zu erlangen, sondern z.B. auch vorher undenkbare Kämpfe im medizinischen Bereich auszufechten – diese Welt, dieses Geschenk scheinen einige in böswilligster Absicht der Abklärung zuführen zu wollen.

Dazu habe ich drei "kleine" Gegenwartskatastrophen im Kopf.

Die erste ist die von mir auch schon in diesem Blog angeprangerte Alternativ'medizin'. Sie ist in ihrer Nicht-Wirksamkeit so penetrant und gut, daß ich es fast schon beeindruckend finde. Nun, wenn sie nicht wirkt, kann sie auch niemandem schaden, nicht wahr? Falsch! Jede Sekunde, die darauf verwendet wird, statt eines richtigen Mediziners einen Akupunktur oder Homöopathie praktizierenden Scharlatan aufzusuchen, ist verschwendete Zeit und kann, je nach Ausgangslage, gefährlich werden. Niemals sollten auch Eltern ihre Kinder einer solchen, erwiesenermaßen völlig wirkungslosen Behandlung unterziehen dürfen! Alternativmedizin muß mit FSK 18 versehen werden, ansonsten machen sich alle Beteiligten der unterlassenen Hilfeleistung schuldig, wie im folgenden, aus einem Ökoforum zitierten Beitrag einer Mutter (Markierung von mir, gefunden im "Ökotest"-Forum):

Unser Sohn (11 Monate)hatte vergangene Woche nach hohem Fieber 39.6 eine Mittelohrentzündung, bei der nach 3 Tagen und vielen Pellkartoffelsäckchen der Eiter herauslief - eine Woche lang. Wir sind mit ihm in einer Konstitutionsbehandlung bei der Homöopatin. Danach fing die Flüssigkeit übel an zu riechen, wurde dickflüssiger und hinter dem Ohr schwoll wieder alles an, das Ohr steht seitdem weit ab. Trotz Zwiebelsäckchen versiegte der Eiterstrom, hinter dem Ohr wurde es dick und rot. Die Homöopathin hat darauf hin ein Akutmittel gegeben (leider weiß ich nicht welches) HNO heute diagnostizierte akute Mastoiditis mit sofortiger Klinikeinweisung zur OP wegen möglicher Komplikationen. Allerdings hat unser Kind weder hohes Fieber, noch Ohrenschmerzen am Tag, noch Druckschmerz hinter dem Ohr. Er lässt allerdings nichts mehr aufs Ohr legen und legt sich selbst nicht mehr drauf. Wir wollen einerseits nichts riskieren, andererseits sehen wir eine OP als letztmöglichen Ausweg - vorallem weil er keinen schlechten Gesamteindruck macht. Er lacht und spielt und isst auch normal wie immer.

Wer einem kleinen Kind bei Mastoiditis zur Akutbehandlung homöopathische Mittel verschreibt, verkennt nicht nur den Ernst der Lage, sondern handelt grob fahrlässig!
(Auch schön und gerade gefunden: Homöopathen ohne Grenzen wollen sich seit neuestem auch in Entwicklungsländern etablieren und dort mit Zuckerkügelchen AIDS heilen... arme Welt!)

Zweite Katastrophe und ebenfalls ein Phänomen der Neuzeit: die Impfleugnung. Ich habe mich immer gefragt, wie man, v.a. in Anbetracht der Tatsache, wie augenscheinlich erfolgreich das Prinzip Impfung die schlimme Krankheit der Pocken ausgelöscht hat, ernsthaft Sinn und Zweck einer Impfung anzweifeln kann. Aber man kann, und es wird immer häufiger. Da ist die Rede davon, daß außer Pocken ja noch andere Krankheiten existieren, die nicht beimpfbar seien und deswegen Impfung per se Schwachsinn sei; von schlimmen Nebenwirkungen wie Autismus, was erwiesenermaßen tatsächlich großer Schwachsinn ist; und vom Bedürfnis des menschlichen Körpers, Krankheiten einmal zu durchleben.
Ich denke, das liegt daran, daß Menschen nicht die leiseste Ahnung vom Immunsystem und dem Wirkmechanismus einer Impfung haben (oder das alles für Humbug halten; hat ja immerhin Gott alles so zurechtgebastelt und gewollt) – oder daß sie einfach nur faul sind.
Ob ein 25jähriger geimpft ist, könnte mir egal sein. Ist es aber nicht! Nicht nur, daß er selbst krank wird – er kann mit den gefährlichen Krankheiten, gegen die nicht umsonst geimpft wird, andere Menschen anstecken und damit sehr krank machen. Wenn es um die eigenen Kinder geht, hört der Spaß völlig auf: was für ein krank-verdrehter Pseudoidealismus kann hinter einer solchen Greueltat wie dem bewussten Das-Kind-schlimmen-Erkrankungen-Aussetzen stecken? Wieso geht er so weit, daß er den Eltern jegliche Recherche, die rasch das Gegenteil dieses Irrsinns ans Licht bringen würde, untersagt? Wieso scheint hier die Elternliebe zu enden? Oder, undiplomatischer: wie bescheuert kann man bitteschön sein?!

Jüngst hat mich der Fall zweier toter Kinder sehr betroffen gemacht; sie waren in einer Arztpraxis von einem mit Masern infizierten Kind zweier Impfgegner angesteckt worden und starben – aufgrund der Dummheit der Leugner – an den Komplikationen.
Hier gibt es ein Video dazu - man möchte vor Fassungslosigkeit weinen, schreien und diese fahrlässigen Ignoranten direkt in die Hölle schicken...

Die dritte Katastrophe nennt sich HIV/AIDS-Leugnung. Nachdem ich erfahren mußte, daß selbst prominente Musikkapellen wie die Foo Fighters, von abertausenden Teenagern in den USA gehört, ihren Einfluß geltend machen, indem sie dieses widerliche Phänomen unterstützen, war ich tief erschüttert. Was für eine erbärmliche Form von Machtmissbrauch. Zu leugnen, daß das HI-Virus AIDS verursacht, obwohl die Evidenz eine ganz, ganz andere Sprache spricht, ist nicht nur doof, sondern auch hochgradig gefährlich. Und wer seiner Anhängerschaft oder auch nur irgendwem empfiehlt, Sex ruhig ohne Kondom zu haben und die Risiken zu vergessen, ist ein verdammter Verbrecher. Wenn sich aufgrund der proklamierten Idiotie auch nur ein junger Mensch mit dem Virus ansteckt und erbärmlich an AIDS stirbt, so haben die mittlerweile leider sehr zahlreichen Leugner große, große Schuld auf sich geladen – und das passiert zweifellos.
Zahlreiche wissenschaftliche Arbeiten belegen die allgemein bekannten Zusammenhänge, und jeder, der ernsthaft daran zweifelt (aber auch jeder, der Zweifler in die Knie zwingen oder Aufklärungsarbeit braucht oder leisten will), sollte sich mal diese Seite zu Gemüte führen: AIDSTruth

Ein angeblich bahnbrechender Dokumentarfilm namens „House Of Numbers“ (Achtung! Link macht dumm!) hat mich nun vollends zum Verzweifeln gebracht. Dieser Film hat es sich zur Aufgabe gemacht, die AIDS-Leugnung in der Welt zu verbreiten; wirbt sogar mit Slogans wie „The war is almost over“… Diese Seite hier wiederum hat dankenswerterweise die Gegenaufgabe übernommen und widerlegt jede der komplett abstrusen Theorien und Darstellungen aus dem Film, in der sogar der Mensch, der für die Entdeckung des HI-Virus mit dem Nobelpreis bedacht wurde, Dr. Luc Montagnier, mal eben falsch zitiert wird.

Abgesehen von der Tatsache, daß ich mich sowieso frage, welchen Nutzen diese Fraggles aus Impf- und AIDS-Leugnung haben (außer dem Gedanken, supergeheime Informationen zu besitzen), kam ich aber hier an den Punkt, der mir einen nicht zu überbietenden Höhepunkt in Sachen „kognitive Dissonanz“ geliefert hat: wie aus der Seite klar ersichtlich wird, wurden die Fakten in dem Film ganz bewußt verfälscht! Es geht hier ganz offensichtlich um Täuschung! Der Film zitiert beispielsweise einen Artikel, der zeigt, daß T-Zell-Abbau bei Affen nicht zu AIDS führt – bei Menschen jedoch schon. Was der Film daraus bastelte, war die Konklusion, daß der Artikel aussage, T-Zell-Abbau führe nicht zu AIDS. Das ist eine bewußte Verdrehung der Tatsachen, und ich frage mich, welche „Ideale“ hinter einem solchen Verbrechen an der Menschheit stehen können. Wem ist geholfen, wenn dies darin mündet, daß Menschen keine Prävention mehr betreiben, sich anstecken und sterben, weil jemand bewußt Daten verdreht hat? Das ist, wie gesagt, nichts anderes als pure Böswilligkeit und Sensationslüsternheit, Geldmacherei und trauriger Machtmissbrauch. Widerlich!

Natürlich können solche Phänomene wie Alternativmedizin, Impf- und AIDS-Leugnung, aber auch Esoterik, Astrologie und sonstige Scharlatanerie (nebenbei bemerkt auch Religion, gerade in ihren gefährlichen neuen Ausprägungsformen namens Kreationismus und Intelligent Design) nur dort auf fruchtbaren Boden fallen, wo (populär)wissenschaftliche Bildung verpönt oder passiv ist. Da haben es die Vertreter der eben genannten Disziplinen mit ihrer einfacheren Darstellungsweise und ihrem offensiven Auftreten sehr viel einfacher, mit den Eulen unter dem Arm in Athen offene Türen einzurennen, denn sie bieten überdies noch bequeme Allround-Lösungen ohne größere Anstrengungen und/oder mit viel Zuwendung.
Die Wissenschaft mag voller leidenschaftlich Wissbegieriger sein, voller Idealisten und ständig im Dienste der Menschheit arbeiten: doch wenn sie sich nicht verständlich, vehement und hochfrequent mitteilt, von ihrem hohen Roß hinabsteigt, sich in Pop-Science-Gefilde begibt und aktiv agiert, nützt das, in Bezug darauf, leider zu wenig. Gerade in Anbetracht gefährlicher Strömungen wie der o.g. muß nun endlich dagegen angekämpft werden, denn hier erkranken Menschen schwer und sterben!
Mit Fakten und Methode, mit Skeptizismus und Wissen - und mit aller Überzeugtheit und Vehemenz.

Mittwoch, 16. Februar 2011

Lieber Ratzepoop,

Heute möchte ich Dir gerne etwas mitteilen. Ich muß sagen, irgendwie bewundere ich das ja schon: wie man als selbst Homosexueller Schwule verteufeln, wie man als intelligenter Mann Märchengeschichten glauben und seine eigene Unfehlbarkeit bezeugen, wie man im Namen der Nächstenliebe Kinderschänder decken kann... das erfordert eine Form von semiintellektueller Abstraktionsfähigkeit, mit der ich nicht aufwarten kann (böse Zungen nennen es Bigotterie... pfui!).
Da ich nicht unbedingt bereit bin, diese Merkwürdigkeiten ideell und moralisch mitzutragen, werde ich jetzt auch öffentlich das tun, was mich in Deinen Augen zu einem schlechten Menschen macht und mich Deiner Herde entreißt: Leugnen. Ich leugne hiermit öffentlich
  • den heiligen Geist
  • die jungfräuliche Empfängnis
  • Mariä Himmelfahrt via Body-Lift-Express
  • die Transsubstantiation
  • die Wiederauferstehung. 
:-)

Dienstag, 15. Februar 2011

Das Hirn angestochen

Ich schätze, das ist dem ein oder anderen Befürworter der Akupunktur passiert: die Nadel ging etwas zu tief, durchstieß die Schädeldecke und punktierte den Denkapparat. Anders kann ich mir diesen Schmu wirklich nicht erklären.
Zur Sache: Akupunktur ist eine auf der Yin-und-Yang-Lehre basierende Methode der traditionellen chinesischen Medizin (und ich hoffe, daß jeder, der sich dafür Geld aus den Taschen ziehen läßt, sich dessen bewußt und ein Unterstützer dieser Lehre ist), die besagt, daß die Lebensenergie Qi des Körpers auf Bahnen durch selbigen fließt, die sich Meridiane nennen und keinerlei (!) anatomische Korrelate besitzen. An den Punkten, an denen sie die Haut berühren, soll durch Nadelstiche, Massagedruck (Akupressur) oder Wärmeeinwirkung (Moxibustion) die Lebensenergie beeinflußt werden.
Nur nochmal fürs Protokoll - daran glauben diese Menschen!

Wer bei den Worten "Lebensenergie" und "Energiebahnen" (deren Verlauf natürlich frei erfunden ist) nicht schon längst dabei ist, sein Hirn durch einen Fleischwolf drehen zu wollen, der freue sich an der Information, daß Akupunktur-Befürworter immerhin von dieser Behandlung bei Krebs abraten. Aber nicht, weil es sowieso nichts bringt und die Behandlung mit richtigen Methoden hinauszögert, sondern weil es das Zellwachstum vermehren könnte... Autsch...
Selbiges gilt natürlich auch für Akupressur und Moxibustion.

Als uralte Alternativheilmethode in China über Jahrhunderte hinweg angewandt, ist sie dort aber längst nicht so sehr das Gelbe vom Ei gewesen, wie es Hanfhemden-tragende Alternativhippies gerne predigen. Nein, nein: Anfang des vergangenen Jahrhunderts wurde diese sogar verboten. Wikipedia weiß (Markierungen von mir):
Auch in der Volksrepublik China wurde die Akupunktur zunächst verboten, um die gewünschte Umorientierung des Gesundheitssystems in Richtung eines wissenschaftlichen Fundaments zu fördern. Jedoch gelangte die Kommunistische Partei Chinas bald zu der Auffassung, dass das Land zu wenige nach wissenschaftlichen Standards ausgebildete Mediziner besaß, die es allein medizinisch versorgen konnten. Daher wurden etwa 500.000 TCM-Praktizierende als sogenannte Barfußärzte ins staatliche Gesundheitssystem integriert, verbunden mit der Hoffnung, dass sie mit der Zeit immer stärker wissenschaftliche Arbeitsweisen übernehmen würden.
Das ist es also. Akupunktur als Notlösung, weil es sowieso nicht genügend richtige Mediziner gibt. Awesome! Jetzt verstehe ich natürlich total die Notwendigkeit davon, die Krankenkasse für sowas aufkommen zu lassen... nicht.
Werfen wir doch mal einen Blick auf die Wirksamkeit der Sache. Leider geben sich viele Ärzte, also Menschen, die ein sechsjähriges und weitgehend wissenschaftsorientiertes Studium hinter sich haben, wissen, wie der Körper funktioniert und was ihm warum hilft, für diesen Schwachsinn her; sie argumentieren gerne, daß die Wirksamkeit bei Knie-, Rücken- und Migräneschmerzen ja erwiesen sei. Dann kommt jedoch das große "Aber":
Allerdings wurde auch gezeigt, dass Scheinakupunktur, bei der irgendwohin gestochen wird, genauso wirksam ist wie eine nach traditionellen Regeln durchgeführte Akupunktur.
[...]

Da die von der traditionellen chinesischen Medizin angenommenen Wirkmechanismen nicht nachgewiesen werden können, diese sogar wissenschaftlichen Erkenntnissen über Funktion und Aufbau des menschlichen Körpers widersprechen, und sich auch kein anderer Wirkmechanismus stichhaltig nachweisen lässt, wird für die Wirksamkeit allgemein der Placebo-Effekt verantwortlich gemacht.
Sagt, mal wieder, Wikipedia.
Ein anderer wichtiger Punkt, der sich jedoch auf alle "alternativen", also die böse Schulmedizin verteufelnden Heilmethoden anwenden läßt, ist der Zeitaufwand, den diese mit sich bringen. Eine Akupunktursitzung allein dauert schon eine halbe Stunde, wohingegen ein Allgemeinmediziner pro Patient meist nur 10 Minuten aufbringen kann. Diese Zuwendung hat psychologische Wirkung und trägt sicherlich zum Wohlbefinden und der Compliance des Patienten bei, woraus sich eine die Heilung unterstützende Wirkung ableiten läßt.
Und es steht zu hoffen, daß selbst Akupunktur-Christa und Homöopathie-Jutta, wenn sie mal an nekrotisierender Fasziitis leiden, den garstigen Schulmediziner aufsuchen, nicht wahr?

Einen kleinen Aufreger habe ich noch: nicht nur, daß die Krankenkassen seit 2007 die wilde Voodoo-Stecherei aus den Beiträgen ihrer Mitglieder finanzieren, nein - selbst die WHO hat unglaublicherweise eine (nicht der Observation der Öffentlichkeit oder jeder Art von Review unterzogene) Indikationsliste für Akupunktur lanciert (man betrachte auch diesen Spaß hier), die unter anderem ernste Erkrankungen wie Magengeschwüre, Asthma oder Schlaganfallfolgen beinhaltet. Krankheiten, die in ihren Konsequenzen gravierend sein können und sicherlich der Aufsicht eines richtigen Arztes bedürfen. Patienten mit Rumgepiekse Hoffnung zu suggerieren zeugt nicht nur von Hirnabsenz, sondern ist hochgradig unethisches Handeln.
Man beachte auch die Vermutungen von Kritikern, die WHO-Spitze sei von Akupunktur-Fuzzis geführt/beeinflußt und instrumentalisiert worden. *

Zum Schluß noch der schöne Hinweis, daß Akupunktur neben einem Zeitvertreib für chronisch Gelangweilte und Nadelfanatiker sowie Einkommen für morallose Pseudomediziner noch viele andere lustige Dinge mit sich bringen kann, nämlich
- HIV- oder Hepatitisinfektionen durch nicht sterile Nadeln
- Hämatome
- Entzündungen
- Pneumothorax, Schwindel, Bewußtlosigkeit durch zu starke "Stimulation"
... und so weiter. Wer läßt sich auch freiwillig mit Nadeln massakrieren?
Leider doch ein paar mehr, als der auf Erden verteilte Verstand es vermuten lässt...

Um es nochmal in aller Deutlichkeit zu sagen: Akupunktur ist unwissenschaftlicher, nicht evidenzbasierter, aus Bildungsnot heraus entstandener und in die Hände von medizinfeindlichen Hippies importierter, teurer Schwachsinn, der Zeit, Geld und Ressourcen kostet und Betrug am Patienten ist. Jedem Patienten, der das ernsthaft in Betracht zieht, und jedem Arzt, der damit auch nur einen Cent verdient, sei folgendes nochmals vorgehalten:
Die bislang größte weltweite prospektive und randomisierte Untersuchung (gerac-Studien) kommt zum Schluss, dass die Wirksamkeit einer Akupunkturbehandlung nicht nachgewiesen werden konnte und dass die Akupunktur genauso wirksam sei wie eine Scheinbehandlung (Placebo).
 Also, Finger weg, zum richtigen Arzt und Zeit aufwenden. Also, sofern man wirklich gesund werden will...
___________________________________
*) C. N. M. Renckens u. a.: Beware of quacks at the WHO: objecting to the WHO draft report on homeopathy In: Skeptical Inquirer Sept./Okt. 2005.

Montag, 14. Februar 2011

Wann hat sich eigentlich die Unsitte etabliert...

        -         „nich wiaklich“ zu sagen
-         jeden zweiten Satz mit „Mein Therapeut sagt auch“ zu beginnen
-         diese schäbigen Häkel-Zipfelmützen aus dem Reich der sieben Zwerge zur Mode zu erheben
-         Eskimo-Stiefel und -Jacken zu tragen, und das in Gefilden, die nicht unbedingt ‚Tundra’ oder ‚Taiga’ schreien und auch nicht mit allzu viel Walrepertoire aufwarten können
-         Hinter einen Satz ein  „Sach ich jetz ma so“ oder „Weißwas’schmein“ zu schieben
-         seine Voodoo-Akupunktur-Alternativheilkünste von der Krankenkasse bezahlen zu lassen (Rraaaaah! „Forschungs“gruppe?!?)
-         Tomaten nur noch im Bioladen zu kaufen, dafür dann aber total überteuert, denn „das mit den Genen“ sieht man „ja schon auch kritisch und so“
-         nur noch mit Apple-Produkten rumzulaufen und selbst für den Gang zum Klo oder zur Beichte eine App zu brauchen
-         diese LSD-getriggerte, außerordentlich schlecht und lahm geschriebene - aber immerhin alte - Hirtenmythen-Fibel und deren Pendants mit „scientific facts“ belegen zu wollen und sich dabei vollkommen zum Affen zu machen
-         Ausdrücke wie „rumgejoked“ zu gebrauchen
-         geschmacklosen Witzen mit „Das fand ich jetz aber voll nich in Oadnung“ zu begegnen
-         Generell Dinge „voll nich in Oadnung“ zu finden (aber nichts dagegen zu tun)
-         mit spitzen, langen Fingernägeln in Bürger Burger zu greifen und dann reinzubeißen oder Mandarinen im Zug zu essen (wenn ich das sehe, muß ich leider durchdrehen)
-         mit weit geöffnetem Mund Kaugummi zu kauen und dabei möglichst grenzdebil auszusehen
-         als halbwegs erwachsener Mensch bescheuerte und von „Komponisten“ mit dem Liebesverständnis von Asperger-Patienten verfasste Kleinkinderromantik-Klingeltöne mit singenden Puschelhasen und schmalztriefenden Herzchen zu verwenden
-         seinem/r Liebsten nur an einem bestimmten Datum, das von Blumenterrorindustrie und Grußkartenmiliz festgelegt wurde, nämlich dem 14. Februar, zu sagen, wie viel er einem bedeutet (hat genauso viel Gefühl wie ein Kuß auf Kommando und nach Stoppuhr)
-         wieder Leggins zu tragen (wir waren die Seuche los, verdammt!)
-         impfen und die Pharmaindustrie allgemein voll unnötig und doof zu finden und seine Kinder auf dem Altar des Pseudo-Idealismus zu opfern (wenn ich das sehe, muß ich wirklich durchdrehen)
-         Stalking und andere Formen der mangelnden Sozialkompetenz zum Hobby zu machen
-         ein bißchen rumzuborderlinen
-         Deine Mutter jedes Mal, wenn sie gestrandet ist, wieder ins Meer zurückzuschieben; langsam sollte man auch mal erkannt haben, daß manche Dinge einfach nichts bringen...

?

(Anm.: oben finden sich Unsitten, die sich neuerdings etabliert haben und mir dabei ins Auge stachen. Über Erweiterung der Liste mit Kommentaren wäre ich vermutlich erfreut!)

Freitag, 11. Februar 2011

Ein bißchen Schönheit

Heute möchte ich die Welt darüber in Kenntnis setzen, welche Bilder aus dem Kleinen und dem Großen mir Ehrfurcht einflößen und mein Herz erfreuen.

1 - Makrokosmos


Wirklich wunderschön, Mir gefällt daran, wie "beiläufig" dieses mächtige Konstrukt nicht mal in der Bildmitte schweben muß, um Augen und Herz auf sich zu richten. Wie die Gesetze, die das Weltall, weit weg von jeder Göttlichkeit, beherrschen, ausmachen und formen, solche unvorstellbaren Massen in derlei gleichmäßige und schöne Formen zwängen. Wie physikalische Gesetzmäßigkeiten und chemische Prozesse eine solche Schönheit mitten in den leeren, schwarzen Raum zaubern können. Auch großartig: Im Hintergrund schwirren ganz nebenbei noch viele, viele andere Galaxien herum, jede von ihnen tausende und millionen Male größer als unser lächerliches Sonnensystem...

2 - Mikrokosmos


Dieses schöne Photo der Telophase einer Mitose fasziniert mich auch jedes Mal aufs Neue. Der Vorgang liegt mal eben unserem Leben, unserem Gezeugt-Werden und Wachsen und Fortexistieren zugrunde und findet in all seiner Komplexität so oft und so exakt statt, ist von so vielen Dingen abhängig und trotzdem funktioniert er. Und, wie auch schon beim obigen Bild - geschieht es auch in unendlich kleinen Dimensionen - so sind die Konzertmeister noch immer die unbestechlichen Naturgesetze, die all dies ermöglichen.
Bemerkenswert finde ich im Übrigen auch, wie sehr sich die Szenarien rein optisch manchmal gleichen. Hier beispielsweise haben wir eine weitere Aufnahme einer Telophase, die - nur in sehr viel kleiner - dieser explodierenden Galaxie oder auch dem explodierenden Doppelsternsystem hier bemerkenswert ähnelt. Ist natürlich fürchterlich unwissenschaftlich, aber schön. [Anm.: Natürlich proklamiere ich hier keinerlei Zusammenhang! Ist einfach hübsch :-) ]

3 - ein schöner Zufall


Ein 80 Lichtjahre langer Nebel in Form einer Doppelhelix in der Nähe des Zentrums unserer Milchstraße. Mehr mag ich dazu garnicht sagen. :-)

P.S.: Was mich übrigens schon immer fasziniert hat, war die mikroskopische Aufnahme von Nebenhoden :-D

Mittwoch, 9. Februar 2011

Das können die nicht ernst meinen.

ACHTUNG! Ich bin umgezogen! Dieses Blog wird nicht mehr lange existieren; alle Einträge und sämtliche folgenden findet der geneigte Leser hier: Cloudpharming.

Das war mein erster Gedanke, als ich auf diese Seite hier stieß. Eine Liste homöopathischer "Heil"-Mittel, also. An sich nichts, was nicht schon tausende rothaarig-leinenhosentragende Jute-statt-Plastik-Heilpraktikerinnen, die "das alles schon auch kritisch sehen und so" versucht hätten, zahlungswilligen Esoterik-Yuppies ohne ernsthaftes Interesse an Gesundung und/oder mit zu dickem Geldbeutel und/oder mit einer hirnzermatschten Portion Kritik an "der Pharmalobby" zu verkaufen.
Homöopathie ist großer Mist, unterlassene Hilfeleistung und nichts für mich, und wer dazu ausführlichere Dinge lesen möchte, den verweise ich hierauf. Das ist nichts neues und auch nichts besonderes, und eben weil ich es für solchen Schwachsinn halte, haben sich meine Recherche-Bemühungen dahingehend auf das Nötigste beschränkt. Nun aber habe ich, aus lauter Neugier, doch mal die o.g. Seite durchforstet und bin auf ein wichtiges, wichtiges Heilmittel gestoßen: das mächte "Natrium chloratum".
Dem ein oder anderen wird dieses Mittel, das gegen Angst, Augenschmerzen, Blutarmut, Ekzeme, Hautschwulitäten, Herpes, Kopfschmerzen/Migräne, Kropf, Kummer, Mundgeruch, Nesselsucht, Rückenschmerzen, Schnupfen, Sehstörungen, Verdauungsprobleme, Warzen und Weißfluß helfen soll, damit also das Allround-Wundermittel schlechthin ist, ein wenig bekannt vorkommen, denn den Namen mag man in ähnlicher Art schonmal vernommen haben. Es wird doch nicht etwa... doch! Genau das!
Ein Blick auf den "Steckbrief" des Mittels verrät:
Anderer Name: Kochsalz, früher Natrium muriatum
Das, meine Lieben, ist es also? Mein handelsübliches und uns Normalsterblichen als Kochsalz vertrautes Küchengewürz? Das kann all diese Dinge, wenn ich es unendlich verdünne? Also, so unendlich verdünne, daß davon garnichts mehr in meiner Tinktur ist?  Voll gut! (Voll gut auch der kryptische und sehr heilsam klingende Name)
Wenn es nicht so traurig wäre, daß Menschen für (nicht-mal-)Salzwasser Geld raushauen wie die Bescheuerten, würde diese Beschreibung des so angepriesenen Wirkstoffs bei mir Lachsalven ohne Ende herauskitzeln (die besonders schönen Stellen habe ich hervorgehoben):
Das homöopathische Mittel Natrium chloratum wird bei Migräne, Erkältung und Zahnfleischentzündung verwendet.
Das beliebte Konstitutionsmittel wird umgangssprachlich auch Kochsalz und früher Natrium muriatum genannt.
Menschen, die Natrium chloratum brauchen, wirken oft weiblich, empfindsam und einsam.
Zudem sind unter "Temperament" noch folgende Attribute angegeben: empfindsam, feinfühlig, launisch und loyal. Wer so drauf ist, außerdem noch breit, blass und aufgedunsen, der ist genau der richtige Rezipient für das Konstitutionsmittel Jodsalz. Ich weiß nicht, wo das Grinsen aufhören und das Kopfschütteln anfangen soll. Wir sprechen hier von Kochsalz! Davon, daß irgendwelche heuchlerischen Heilpraktiker (und leider auch Ärzte) Menschen mit ernsthaften Beschwerden unendlich verdünnte Salzlösung verabreichen und dafür auch noch Geld verlangen!

Wenn ich das nächste Mal Migräne habe oder arg weiblich drauf bin, werd ich mir meinen Salzstreuer nehmen, ein Körnchen herauspuhlen, es mit einem Schnürsenkel, an den ein Anti-AIDS-Edelstein gebunden ist, auspendeln und nach ausführlichem Zermösern in einen Tank Leitungswasser schmeißen. Dann werde ich den Tank ins Klo spülen, wieder mit Wasser füllen und hoffen, daß das jetzt im Wasser befindliche Rewe-Speisesalz-Gedächtnis mein loyales Temperament und meine wässrigen Augen unterstützt und heilt.

Arme Welt.

P.S.: Natürlich konnte ich es mir nicht nehmen lassen, zu lesen, wie auf Homöopathie-Webseiten ein "Konstitutionsmittel" definiert wird. Viel Spaß mit diesem herrlichen Text:

"Konstitutionsmittel in der Homöopathie sind Arzneitypen, die quasi plastische Menschenbilder darstellen. So gibt es z.B. einen schlanken, nervösen Phosphor-Typ, der zu Blutungen neigt, oder das blauäugige, traurige und weinerliche Pulsatilla-Mädchen oder das dickliche, schwerfällige Calcium-carbonicum-Kind. Aber es [gibt] außer diesen noch mehr Typen. 
[...] gibt es aber auch Mittel, die den Organismus umstimmen können, gesund zu werden, z.B. Pulsatilla oder Nux vomica."
      Quelle: Link

P.P.S.: Auf derselben Seite gibt es eine Reihe von Leitsymptomen, die Kochsalz-Typen haben, die ich zum Schreien komisch finde und deswegen in ausgewählten Auszügen hier wiedergeben muß:
- Der Betroffene hat eine Abneigung gegen Mitleid
- Der Betroffene will allein sein, weil er weinen will
- Der Betroffene sind bei Nichtbeachtung reizbar, werden nachtragend
- Der Betroffene will salziges, mag kein Fett und kein Brot
- Der Betroffene ist dauernd hungrig, manchmal auch sehr durstig
- Der Betroffene hat rissige Mundwinkel
- Der Betroffene hat Akne, meist da, wo Haare wachsen

Fernbeichte - oder: Das MUSS doch weh tun!

Für diejenigen Leser, denen der Begriff "Facepalm" nicht geläufig ist: bitte einmal hier klicken und sich dann folgenden Eintrag durchlesen, um zu verstehen, welche Aktionen und Umstände eine solche Geste zwingend einfordern. Selbstverständlich kann es nur einen wahren Facepalm-Initiator geben, und das ist der Vatikan.

Natürlich war ich schon vollkommen von den Socken, als der Software-Produzent 'Little iApps' eine großartige Beicht-App lancierte, die den schönen Namen "Confession: A Roman Catholic App" trägt. Netter Scherz, dachte ich, und vermutlich ähnlich sinnbefreit wie die Domain beichthaus.com, auf der man hauptsächlich lustige Sex-Geschichten findet. Weit gefehlt! Die Intention dahinter war eine vollkommen ernsthafte: Inspiriert vom Papstaufrauf, Social Networks und Co. im Dienste der Religiosität zu nutzen, wurde die App als "Gewissenserleichterung to go" entwickelt. Schwachsinn, Stufe I.

Schwachsinn, Stufe II: Der Vatikan findet das doof! Nachdem die amerikanischen Oberhäupter der katholischen Kirche die Idee eigentlich ganz knorke fanden, schaltete sich der Kirchenstaat ein und widersprach. Die Technik ersetze nicht die Anwesenheit von Priester und Büßer! Na, sowas! Die meinen, wenn ich das, was ein imaginärer Rauschebartmann nicht cool findet, während er auf den Wolken rumhockt und sich das Erdengewusel anschaut, zu tun wage und dann meinem Telefon erzähle, bringt das nichts? Zum Glück gibt es ja meine Helden von der katholischen Kirche, die wissen, daß es hingegen sehr wohl was bringt, wenn ich es ihnen erzähle und sie ihre Direktleitung zu dem da oben aktivieren. Und zum Glück kann ich mich dann mit 3 Ave Maria, 4 Vater Unser und 2 Bigmac wieder freikaufen. Danke.
"Es ist unter keinen Umständen möglich, am iPhone zu beichten." - Also; es ist Schwachsinn, einer Fee einen Witz über einen unsichtbaren Teleporter zu erzählen, der in meiner Westentasche haust. Soweit klar. Aber wenn ich einem Feenmedium den Witz erzähle, kann ich die Fee dafür leise lachen hören, denn das ist natürlich was vollkommen anderes!
DAS muß einem doch im Kopf weh tun und dröhnen, bis es aus den Ohren qualmt?!

Aber es kommt noch besser! Natürlich ist die Kirche nicht ganz auf dem neuesten technischen Stand; ist ja schließlich auch alles Teufelszeug. Schonmal was vom apostolischen Segen gehört? Das ist derjenige, der vom Papst oder einem Bischof erteilt werden kann (streng begrenzt natürlich, öfter als drei mal pro Jahr ist nicht drin) und alle Zuhörer... nun ja, segnet. Nun wird es lustig, denn die Kirche muß ja auch hier up to date bleiben. Wikipedia hält dazu folgenden, unglaublich lustigen Satz bereit, der unkommentiert bleibt und einfach mal die unfaßbare, psychotisch anmutende Weltfremdheit dieser Kerle anzeigt:
Seit 1967 ist auch der Radioempfang des vom Papst „urbi et orbi“ erteilten Segens wirksam, seit 1985 wird der Empfang über das Fernsehen ermöglicht.
Und nun der krönende Abschluß: den apostolischen Segen kann man jetzt auch per Fax bestellen! Bitte einmal hier klicken und sich gesegnet fühlen. Oder den Kopf hochfrequent gegen die Wand schlagen. Soll dieselbe Wirkung haben. Was soll ich da noch zu sagen, außer:


Dienstag, 8. Februar 2011

Was sind die Alternativen?

Wir haben die Wahl. Jeden Tag aufs Neue. In jedem einzelnen Moment können wir die Segel neu setzen und eine neue Epoche einläuten. Wir entscheiden uns, mit dem Rauchen aufzuhören, eine Beziehung einzugehen, einen Text zu schreiben – weil wir das „Für“ und das „Wider“ abwägen und uns fragen, was unsere Alternativen sind. Dazu müßen wir sie jedoch gut kennen, und damit möchte ich mal eine andere Herangehensweise an ein Thema wagen, das mir sehr am Herzen liegt: Religiosität und Glaube.

So, wie ich das sehe, gibt es zwei Verfahren: ich kann Euch sagen, was gefährlich und schlecht, was widersinnig und demütigend, was geißelnd und zerstörerisch ist am Konzept Religion, was am Glauben keinen Sinn ergibt in meinen Augen, ich kann warnen; das wäre ein destruktiver Weg, den ich ebenso gerne beschreite und der sicherlich sein muß.
Aber viel schöner hat sich mittlerweile für mich ein zweiter Weg herauskristallisiert. Ich kann versuchen, zu zeigen, was am Leben als nicht religiöser Mensch wunderschön und erfüllend ist, und erhabener als es ein Leben als Gläubige für mich je sein könnte. Ich kann die Alternativen zu einem gläubigen Leben aufzählen und erklären, wieso sie erstrebenswert sind. Das möchte ich hier versuchen. Natürlich kann ich das nur anreißen, denn damit füllen Menschen Bücher, die das sicher besser können als ich. Aber hier, von gewöhnlichem kleinem Menschen an gewöhnliche kleine Menschen, hier hat das etwas Intimes und Aufrichtiges.
Religionen jedweder Art nutzen diese Art des Aufzeigens von Alternativen auch; allerdings beleuchten sie nicht die diesseitigen Pros des gläubigen Daseins, sondern die infernalen Folgen eines halt- und gottlosen Lebens. Damit werden viele junge ‚Seelen’ infiltriert und nachhaltig geschädigt. Menschen erleiden ernsthafte psychische Schäden, wenn sie in die Gottlosigkeit fallen, aus welchen Gründen auch immer. Sie haben kein Rüstzeug, sie kennen keine Alternativen (außer der ewigen Verdammnis) – wie menschenverachtend einmal mehr der Wohltäter „Religion“ sein kann.
Im Folgenden möchte ich ein wenig des Rüstzeug anführen, das ich mir im Laufe der Jahre zurechtgelegt habe.

Die Wissbegierde und die Ehrfurcht. Das Universum ist groß, kalt, gottlos und leer. In seinen Dimensionen unvorstellbar, in seiner Leere ängstigend, und doch so voller Schönheit. Ich kann annehmen, daß ein Schöpfer dasaß und mich aus Staub und Dreck, aus Rippen und Lenden geformt hat und in dieser Welt absetzte. Dann kann ich das ganz nett von ihm finden und mich als seinen kleinen Zeitvertreib betrachten. Ich kann aber auch annehmen, daß ein unbeschreiblicher Vorgang vor 14 Mrd Jahren ein Teilchenungleichgewicht hervorbrachte, das unser Universum erschuf. Ein Zufall; Naturgesetzen folgend. Teilchen schwirrten umeinander, Sterne formten sich und vergingen, Elemente entstanden, ein riesiger Zirkus des Chaos und des Zufalls. Die Erde entstand und war zufällig mit den für Leben essentiellen Konditionen ausgestattet, und dieses entwickelte sich, und entwickelte sich weiter, unfaßbaren Unwahrscheinlichkeiten zum Trotz; bis zu dem Punkt, an dem meine Eltern, zwei Organismen aus unzähligen Zellen, die in ihrem Innersten je die Hälfte der mich ausmachenden Informationen tragen, sich fanden und mich zeugten. Und siehe da: ich lebe! Und ich kann garnicht sagen, an wie vielen makroskopischen, mikroskopischen, biochemischen, teilchenphysikalischen etc. Fäden mein Leben hängt, aber ich lebe, und das auf eine stabile Art und Weise. Nur als nicht gläubiger Mensch kann ich mir dieses unendlichen Glücks bewußt werden. Wie viele Zufälle wurden durch die Weiten des Alls und des Mikrokosmos jongliert, damit ich hier sitzen und das hier tippen kann? Dieses Glück, diese Dankbarkeit dem Weltenlauf gegenüber kann ich nur spüren, wenn ich nicht davon ausgehe, daß ein rauschebärtiger Greis das alles in einer Weinlaune zusammenphantasiert hat. Die Schönheit der Welt erscheint nur noch beeindruckender, wenn ich weiß, daß auch sie ein Produkt unwahrscheinlichster Zufälle ist – und doch ist sie, und sie ist großartig. Das ist Ehrfurcht. Ehrfurcht, die vor niemandem in Demut auf die Knie gehen muß. Glück, dieses Leben leben zu können.
Und nicht nur das: Evolution sei Dank; wir sind an einem Punkt, an dem wir all das nicht nur sehen, sondern auch erforschen können. Wir können wissbegierig und frei sein, wir können fragen und unsere Antworten suchen, wir können verstehen und enträtseln, und doch so viele neue Fragen aufwerfen. Wo Religion vorgibt, daß das Ende aller Fragen Gott, das Ende aller Gedanken Andacht sei, da kann unsereiner einfach weiterfragen. Es gibt kein limitierendes, göttliches „Ist einfach so“, kein „Die Wege des Herrn sind unergründlich“ – wir können erfahren, weiterfragen und noch viel mehr von dieser Ehrfurcht, von diesem Glück, hier zu sein, in uns aufsaugen und unseren uns doch so dringlich innewohnenden und zehrenden Wissensdurst zu stillen versuchen.

Der freie Wille und unsere Lebensaufgaben. Eine Gottheit lenkt – sie lenkt den Lauf der Dinge und sie lenkt mein Gehirn, sie limitiert meinen Geist mit Vorschriften und Marionettenfäden. Ja, Gott scheint ein machtgeiler Narziß zu sein. Wie kann ich auch nur eine Sekunde glücklich sein mit dem Gedanken, daß er mein Denken und Tun vorausbestimmt? Wie wertvoll ist eine Leistung, eine Entscheidung noch, wenn ich in der letzten Instanz nicht dafür verantwortlich bin? Ich kann, als Nichtgläubiger, die Fäden durchtrennen und auf eigenen Beinen laufen. Nun, was erscheint wertvoller: jemanden lieben, weil es mir vorausbestimmt ist, oder – sich ‚entscheiden’, jemanden zu lieben; mit jeder Faser seines Wesens zu sehen, wie wertvoll ein Mensch ist und deswegen eigenverantwortlich Kopf und Herz entscheiden zu lassen, daß dies der Mensch sei, der Mensch schlechthin? Weil alles Positive in ihm strahlt und fesselt? Und was erscheint stärker: eine Krise zu überwinden, weil Gott einen trägt, oder alle eigenen Kraftreserven zu aktivieren und sich aus Leibeskräften herauswinden aus dem Tal, dafür kein Entgelt in Form von Glaubensgaben entrichten zu müßen? Was ist wichtiger – Dinge zu leisten, weil Gott einen unterstützt, oder eine Lebensaufgabe erfüllen, die man sich selbst komplett frei und mit allen Möglichkeiten setzt, aus eigener Kraft, aus eigenem Willen, aus eigenen Idealen heraus und mit allen Mitteln, die man als Mensch in dieser Welt, in diesem Universum aufbringen kann?

Die Moral. In einer von Gott geprägten Welt werde ich nur das tun, was Gott für erstrebenswert hält und die Dinge sein lassen, die er nicht so gut findet. Für Gläubige definiert sich ihr moralisches Empfinden über ihren Glauben. Das ist nicht nur bedenklich, es widerspricht auch jeder Idee des freien Willens. Nur gottlos kann ich stark genug sein, mein eigenes Unrechtsbewußtsein aus dem heraus zu bilden, was ich empfinde, was die Welt bereithält, was ich erfahre und wie ich es bewerte. Ich kann aufrichtiger als jeder Gläubige aus mir selbst heraus anderen Gutes tun und die Welt verbessern wollen – weil ich es will, und nicht der Herr dort oben. Ich kann Schlechtes unterlassen, weil es Schaden anrichtet, und nicht nur, weil es mir von höherer Instanz verboten wurde. Wie viel edler das doch ist!

Die Endlichkeit. Nicht nur, daß ich als Nichtgläubiger keine Angst davor haben muß, in der ewigen Verdammnis zu landen, ich muß auch keine Angst vor der Ewigkeit haben. Ach, wie gut kann ich die Angst vor dem großen Nichts, vor der Minimierung aller Möglichkeiten verstehen… aber noch viel besser verstehen kann ich Folgendes: Nur, wenn der Weg begrenzt ist, können wir ihn vollständig beschreiten. Worin liegt mein Reiz im Leben, wenn ich weiß, daß sowieso alles vor sich hinplätschert – für immer? Egal, was ich tue, jeder Moment läßt sich beliebig oft reproduzieren und verliert, so ganz ohne Bedingungen, jedes Besondere. Natürlich wäre es wundervoll, all die Verlorenen wiedersehen zu können, aber nur in der Endlichkeit können wir es in der Konsequenz schaffen, jeden Moment mit jedem geliebten Menschen umso mehr zu schätzen, vielleicht sogar zu heiligen. Das oben angesprochene unschätzbare Glück für einen Moment zu fassen zu suchen. Wir kommen aus der Leere und wandern in sie zurück, aber dazwischen können wir so viel Leben, Erleben, Empfinden sammeln, wie in unser Leben paßt. Keine Sekunde darf verloren gehen – tut es aber so oft im monotonen Geplätscher der Ewigkeit… Was wir erleben, strebt auf unser Innerstes zu, auf ultimatives Empfinden, und dies ist nunmal durch den Tod bedingt und limitiert. Schärfe Deinen Blick.
Es gibt nur einen Weg, diesem verstörenden Ewigkeitsgedanken zu entrinnen und trotzdem zu bestehen. To leave one’s mark. Aus eigenem Antrieb und mit allem freien Willen.

Ich hoffe, ich habe in diesem kurzen Anriss wenigstens ein bißchen begreiflich machen können, welch unendliche Schönheit in einem gottlosen Dasein liegen kann. Daß es nicht kalt, hoffnungslos und traurig ist. Es erfordert Mut, ja. Aber daß dieser sich lohnt, spüre ich jeden Tag wieder: wenn ich an einem See stehe, die Vögel vorüberziehen und den Mond in der Ferne stehen sehe, mich in Ehrfurcht verliere über die Unwahrscheinlichkeiten, über die Zufälle, über die Schönheit und das tiefe Glück, das ich habe, jetzt hier zu sein. Das zu sehen, zu erleben, zu verstehen, zu genießen. Und daß mich das auch in schwersten Zeiten immer begleiten und erleuchten wird.

“We are going to die, and that makes us the lucky ones. Most people are never going to die because they are never going to be born. The potential people who could have been here in my place but who will in fact never see the light of day outnumber the sand grains of Sahara. Certainly those unborn ghosts include greater poets than Keats, scientists greater than Newton. We know this because the set of possible people allowed by our DNA so massively exceeds the set of actual people. In the teeth of these stupefying odds it is you and I, in our ordinariness, that are here. We privileged few, who won the lottery of birth against all odds, how dare we whine at our inevitable return to that prior state from which the vast majority have never stirred..."
   - Richard Dawkins

 This is where you're from...

Radioreligion

Ein von mangelhafter körperlicher Fitness gezeichneter Tag zwang mich heute ins Bett und verlieh mir so Zeit, mal wieder ausführlich dem Radio lauschen zu können. Dabei fiel mir eine ganz fürchterliche Unsitte in Radiogefilden auf, die ich auch schon in Süddeutschland, also auf anderen Sendern, bemerkt hatte: jeden - verdammten - Tag darf dort ein verblendeter Jesus-Yogi Märchengeschichten vortragen, die von einem LSD-zugedröhnten Münchhausen-Patienten stammen könnten (und es vermutlich auch tun) und auf seine grenzpsychotische Art und Weise interpretieren.
Daß diese Menschen sich dabei nicht selbst verrückt vorkommen, sich die Haare vor Schrecken selbst ausreißen und anschließend zur Selbstbestrafung zehn mal in Folge gegen die Wand laufen, weil sie gerade ein Verbrechen gegen jede Form des Hirnbesitzes begangen haben, ist die eine Sache.
Viel wichtiger aber: wie kann es sein, daß solchen Geschichten Sendezeit eingeräumt wird? Dinge, die vernünftigen Menschen als das imponieren, was sie sind: Behelfshirngespinste eines mir hochsuspekten Machtinstruments, das sich Religion nennt - oder, um es auf den Punkt zu bringen; abgedrehte Märchen.
Wie ist diese Form von Spiritualitätsimperialismus zu rechtfertigen? Genau: garnicht! Wer gläubig ist, mag das in seinem stillen Kämmerchen predigen, und dann hat das jede Daseinsberechtigung, aber eine solche Kundgebung ist kein Stück besser als der Muezzin, der von seinem Minarett runterjammert. Man muß sich dem entziehen können, und zwar ohne das Rundfunkgerät abzuschalten; alles andere ist Mission und damit nicht (!) mit dem Prinzip der Religionsfreiheit zu vereinbaren. Denn, wie jeder in Sachen Sprache einigermaßen Begabte weiß, sollte Religionsfreiheit nunmal auch die Freiheit von Religion bedeuten. Und, verdammt nochmal, damit ist man heutzutage wirklich kein Exot mehr!

Ich habe daher folgende Vorschläge für die Betreiber diverser Radiostationen:
  • Der Radiopriester muß weg und mit ihm seine ganze verpickelte Baggage an Jesusfreaks, die sich in ihren sonntäglichen Bibelpiez-mit-Anfassen-Sessions in ihre Pullunder wickeln und an vollkommenen Irren-Geschichten ergötzen (denn ein anderer Typ Mensch kann sich solche Groteskitäten nicht einfallen lassen); oder
  • Gleichberechtung, Vol. I: nebst dem Kirchenfuzzi dürfen auch ein isländisches Koboldmedium, eine sächsische Regentanz-Schamanin und eine schwäbische Feengläubige in aller Ernsthaftigkeit ihre hochrealistischen Geschichten und deren Deutungen vortragen, zu exakt gleichen Teilen - und niemand darf lachen; oder
  • Gleichberechtigung, Vol. II: es darf ebenso häufig ein vernünftiger Mensch sprechen und seine Weltsicht in Sachen Glauben und Nichtglauben vortragen und ein paar wirklich spannende Geschichten aus der Entstehung von Mensch und Welt aus populärwissenschaftlicher Sicht erzählen. Wenn nämlich Strömungen wie den Katholiken mit schätzungsweise etwa 20-30 Mio Gläubigen in Deutschland und den evangelischen mit 20-25 Mio diese Plattform geboten wird, so muß sie auch denen geboten werden, die als Atheisten danach streben, diese zu einem besseren Platz zu machen und dafür keinen Gott brauchen. Erst recht in Anbetracht der Tatsache, daß dieser Gruppe auch etwa 25-30 Millionen Menschen in Deutschland angehören! Es ist ein Ding der Unmöglichkeit, daß Religion nicht nur nicht angegriffen werden darf (ich tu's: sie ist blöd. Religion ist blöd. Und verweise an dieser Stelle hierhin, um einige der Gründe dafür wundervoll ausformuliert darzubieten), sondern auch noch im öffentlichen Raum eine Plattform geboten kriegt, wo sie Vernunft und Wissenschaft nicht explizit bekommen. 
Ich denke, ich werde den lieben Radiofreunden mal einen Brief mit meinen Vorschlägen zukommen lassen. Wie viele Menschen man erreichen könnte... und wie gefährlich es ist, daß diese abgedrehten Typen da eine solche Handhabe haben.

P.S.: Alternativ könnte nach jeder dieser intelligenzresistenten Märchenstundendurchsagen eine lustige Clownsstimme einen der folgen Sprüche aufsagen, eingeleitet von einem warnenden "Die nun folgenden Aussagen entsprechen in Relevanz und Anspruch sowie Hirngehalt dem soeben Gehörten":
 - "Scheiße auf dem Autoreifen gibt beim Bremsen braune Streifen"
 - "Scheiße auf der Schambehaarung zeugt von echter Männerpaarung"
 - "Scheiße auf dem Grammophon stinkt gemein und dämpft den Ton"
 - "Scheiße auf dem Autodach wird bei 180 flach"
 - "Scheiße auf der Lampenschale gibt gedämpftes Licht im Saale"
 - "Scheiße durch ein Sieb geschossen gibt beim Gegner Sommersprossen"
 - "Scheiße in der Uniform stört beim Kämpfen ganz enorm"

Montag, 7. Februar 2011

Es wird Frühling

Die Sonne strahlt auf zerstörte Gesichter.
Nur langsam wagt sich das kalte Blut
Zurück in die Lebensadern. Und dichter
Werden die Blicke, und wärmer die Glut.

Der Sonnenwagen im Weitergehen
Schält wieder aus müden Augen den Glanz.
Der Wind singt ein wenig; läßt Rockzipfel wehen
Um kranke Beine, die zu schwer zum Tanz

Doch zum Sterben zu leicht sind. Lenzens Glück:
Zerfurchte Hände ergreifen einander
Und finden bald in ihre Kerben zurück
Und blühen in giftigstem Oleander.

Ach! Wie war ich dem Abgrund doch nah!
Wie haben die Winter an mir gezehrt.
Doch mahnende Narben und Licht, das geschah,
Haben so liebend mir aufbegehrt.

Nun wird es Frühling, und Sonnenlicht
Flackert mild in tausend Kerzen.
Doch heuer brauch’ ich den Frühling nicht:
Ich trag' ihn längst in meinem Herzen.

(c) Claudia, 2011

Der Bahnschlaf und der Weihnachtsmann

Letzterer hat sich nur in die Überschrift geschmuggelt, weil er hier steht. Hier, im Zug: weißer Rauschebart und rote Jacke. Natürlich könnte es auch der liebe Gott mit roter Jacke sein, aber ihn zu fragen hielte ich für ein wenig indiskret. Zumal dann in jedem Falle seine Tarnung auffliegen und er quasi nackt vor allen Beteiligten stehen würde. Unabhängig von seiner tatsächlichen Identität ist er in der Bredouille: Immerzu wollen Menschen was von ihm. Mit der Antwort „Hohoho!“ und der damit einhergehenden Enttarnung hätte er sofort sämtliche Kinder am Hals, die sich hier im Zug befinden, und vielleicht noch ein paar Feengläubige. Offenbarte er sich der Allgemeinheit jedoch als der Allmächtige, so hätte er nebst Kindern, Feengläubigen und sonstigem Eso-Gevölk noch etwa alle anderen Menschen von sich fernzuhalten, die ihn vermutlich mit Bitten überschütten würden.
Stellt sich nun die Frage, ob man als hauptberuflicher Bittempfänger derart öffentlichen Raum überhaupt betreten sollte. Angreifbar ist man ja immer; wer schützt einen davor, nach seiner Identität befragt zu werden? Dazu muß nicht mal ein aufmüpfiger kleiner Bahnfahrer wie ich her. Es reicht, wenn der martialische Fahrkartenkontrollnazi plötzlich verstohlen und errötend verstummt,  nachdem Gott/der Weihnachtsmann ohne Fahrkarte erwischt wurde und zur Rechtfertigung seine Ausweisdokumente zückt. Eventuell wird dazu in meinem Kopf gleich eine kleine „Halleluja“-Weise erklingen, Moment… ja. Da ist sie. „D…d…da…das k-k-konnte ich ja nicht ahnen…“ Er ist jetzt ausgestiegen und er kann sich froh schätzen, daß es bedachte Bürger wie mich gibt, die ihn nicht gleich bloßstellen.

Nun aber zur Sache: es gibt ein Phänomen, das sich morgens in Gefährten des ÖPNV in allen Variationen beobachten läßt. Es ist peinlich, es ist unschön, und doch ist es nicht nur unumgänglich, sondern fordert sogar ein gewisses Maß an Verständnis mit ein. Ich spreche vom Bahnschlaf. Dabei gibt es weder Unterschiede in der Art des befahrenen Gefährtes (wenngleich Bahnschlaf in der weitestgehend ruckelfreien S-Bahn sicherlich besser funktioniert als im Schrottpisten-Bus, aber die Zahl der Schlafenden gleicht sich dennoch), noch in der Art der vom Schlaf Übermannten (durch alle sozialen und Altersschichten). Ja, wenn es eines gibt, was sie alle eint, dann ist dies, in einem sändmännisch-initiierten Akt der Fraternisierung, der Bahnschlaf. Die polierte Glatze ruht neben dem Maximalpigmentierten, der Sudoku-lösende Yuppie trompetet sein neureiches Schnarchen in die Luft, die er sich mit Jute-statt-Plastik-Jutta und Bernd (einfach Bernd) (beide schlafend) teilt.
Dabei zeigen sich verschiedenste Ausprägungen. Vom gelegentlichen und schlecht versteckten Augenzufallen bis hin zum schambefreiten Der-Bahn-Abringen-was-das-Bett-nicht-mehr-bereitzustellen-vermochte. Ästhetisch ist es selten, und nur mit eiserner Selbstbeherrschung läßt es sich umgehen.
Ich persönlich erwische mich von Zeit zu Zeit auch bei der Ausübung des Bahnschlafs. Ich versuche natürlich nach Leibeskräften, dabei nach einer lovely lady auszusehen, deren Träume sich sanft in das Reich immergrüner und schwingungsreicher Wohlklänge poetisieren, doch ich fürchte, meist schaffe ich das nicht und ende, den Mund leicht geöffnet und mit karpfengleicher Eleganz, in den Gefilden ordinärer Bahnschläfer. Bin ich aber nicht damit beschäftigt, meine Augenlider im Kampf gegen die Gravitation anzuführen, so amüsiere ich mich genüßlich und als sei ich nie Opfer solcher Verfehlungen über Sandmännleins Opfer. Ich denke mir dann, in gespielter Überheblichkeit, Dinge wie „Hach, was müßen diese armen Menschlein wohl durchleiden; haben sie nach all den Jahren immernoch nicht gelernt, ihre zirkadianen Rhythmen dem Weltengeschehen anzupassen? Ha. Ein Glück, daß ich vor derlei Fehlschlägen in der Lebensplanung gefeit bin!“

Das ist meine erste kleine Freude des Tages. Weitere wären zum Beispiel ein gutes Glas Wasser ohne Kalk, ein Telefonat mit einem mir lieben Menschen und die kleine (1) hinter „Posteingang“ in meinem Postfach. Natürlich nur, wenn es sich dabei um erfreuliche Post handelt. Ich finde es regelrecht unverschämt, daß mir Sexy Pauletta immer Kraft für meinen Penis verkaufen möchte. Ich besitze doch gar keinen! Ich könnte die dort angepriesenen Mittelchen sicher verzehren, aber welchen konkreten Nutzen hat das für mich? Ich verzichte hier bewußt auf irgendwelche schlechten Stehkraft- und Durchhaltevermögen-Witze und möchte auch keine hören. Wenn das so weitergeht, bekommen Pauletta, Lucy und Nastassja bald mal eine unfreundliche Antwort-Email. Ich werde dort schonungslos offenbaren, daß Penisprodukte Nicht-Penisträgern nichts bringen, und daß man diese knallharten Fakten wohl akzeptieren muß. Ich versuche ja auch nicht, mir das Nashorn (also, das Nashorn-Nas-Horn) abzuschleifen, denn auch hier gilt: ich habe gar keines. Allerdings wüßte ich auch nicht, wieso ich es mir abschleifen sollte, wenn ich eines hätte. Vielleicht wollte ich eine kleine Rolls-Royce-Statue auf der Nase haben, oder einen Gorgoyle.
Sicherlich würde das meine Feinde, derer es nicht wenige gibt, verschrecken und verstören und sie vor eventuellen Kampfhandlungen zurückhalten. Mehr noch als ein ordinäres Horn! Das ist ein bißchen so, als stünde man vor primitiven Urzeit-Höhlenmenschen. Zeigte man ihnen eine Speerspitze, wären sie kampfbereit; zeigte man ihnen hingegen einen mp3-Player mit leuchtendem Display, würden sie vermutlich den Rückzug antreten.
Der Plan könnte also aufgehen.

Auch schön sind die „Ich schau Dir in die Augen, sieh Du tief in meinen Schlund“-Gähner in der Bahn. Sie freuen sich des Lebens und sind von jeder Art der Scham oder gar des Anstands befreit. Ich finde nicht, daß ich so tief in die Privatsphäre eines Menschen eindringen muß, daß ich seine Uvula sehe; das geht mich in etwa so viel an wie der Cashflow in Litauen oder der Genitalpilz einer 64jährigen Nonne aus Guatemala. Ich denke, daß besagte Zäpfchen um sich ein Feld aus dunkler Materie scharen. Der kluge Leser hat nämlich schon längst eingeworfen, daß ich da ja nicht hingucken müße. Die überraschende Antwort lautet – doch! Ich muß, denn die dunkle Materie zieht sogar meinen Blick an, richtet meine Augäpfel so aus, daß sie mich zum Zeugen dieses schrecklichen, schrecklichen Schauspiels machen müßen. Ich glaube, das ist der Grund, aus dem gemeinhin beim öffentlichen Gähnen die Hand vor den Mund gehalten wird. Man will ja nicht alles an Blicken und Materie und Käsesteak (na gut, vielleicht doch) in sich hineinsaugen. Ob die sich an die Hand anschmiegende Rest-Dunkelmaterie nicht vielleicht der heimliche Verursacher des Brauchs namens „Küß die Hoand“ ist, muß im Zusammenhang damit noch erforscht werden.

Ich jedenfalls bin dem Bahnschlaf geschickt durch ein Traktat über selbigen entgangen!
Haha! Und schon haben wir der DB mal wieder ein Schnippchen geschlafen… äh… geschlagen… verdammt, das war ein tatsächlicher Verschreiber und ich fürchte, er will mir sagen, daß ich müde bin…

Sonntag, 6. Februar 2011

Das traurige Leben der Nicht-Freudianer

Zugegeben, es klingt etwas hochgestochen und bezieht sich nur marginal auf den Anlass, der dem Blogpost zugrunde liegt, aber ein „Freud“ in der Überschrift klingt gebildet und bedacht. Also werde ich ihn da stehen lassen.
Ich kann die Menschheit anhand ihres Verhaltens bei Tisch in ein paar wenige, aber allumfassende Kategorien einteilen. Das Experiment, das meiner Einschätzung vorausging, kann jeder Leser einfach am heimischen Esstisch oder auch in der Öffentlichkeit nachbasteln. Man stelle sich ein schmackhaftes Spargelmahl vor. Weder Freud noch ich können etwas dafür, daß die Spargelstange eine auffällige Ähnlichkeit mit dem männlichen Genital hat. Sie tut ihren Dienst nicht nur als recht deliziöse Gemüseeinheit, sondern auch als äußerst formschönes Phallussymbol. Darauf weise man bei Tisch hin und ernte Reaktionen. Die erste Kategorisierung findet hier statt, und es werden sich gleich mehrere interessante Gruppen herauskristallisieren. Die verträglichste ist die der hungrigen Gleichgültigen. Sie werden still weiteressen und stören damit auch niemanden. Weniger angenehm, dafür aber lustig zu beobachten im Prozess ihrer zunehmenden Errötung sind die im Fachjargon als „Furzklemmer“ bezeichneten verklemmten Persönchen, die aber noch harmlos sind. Viel weniger harmlos sind die Moralapostel, welche ein gezischeltes „Claudia!“ (beliebige andere Vornamen denkbar) mit einem mahnenden Blick kombinieren. Randgruppen sind die kichernden Übersprungshandelnden sowie die wissenschaftlich Interessierten. Ich persönlich bevorzuge die Gruppe, der selbstverständlich auch ich angehöre: verschmitzt grinsend, staunend und amü- bis interessiert.
Nun hat man einen Ausgangspunkt für weitere Beobachtungen geschaffen. Man begebe sich nun auf Stufe zwei des Experiments. Bis auf diejenige des hungrigen Gleichgültigen ist jetzt alle Aufmerksamkeit auf die eigene Person gerichtet, was ausgenutzt werden kann und muß. Wirklich interessant werden die Beobachtungen nämlich erst, wenn nun beherzt zu Messer und Gabel gegriffen, das Männlichkeitssubstitut genüsslich zerschnitten und dann langsam und unter stetigem Grinsen dem Munde zugeführt wird, um dann Opfer eines entschiedenen Zubeißens zu werden.
Die Reaktionen rangieren von Empörung (Moralapostel) und Verstörung (Furzklemmer) über lautes Lachen/beschämtes Weiteressen (Überspringer) und feistem Grinsen bzw. Nachahmen (unsereiner) bis hin zu völliger Teilnahmslosigkeit (Hungriger). Auch ein leises Wimmern ist denkbar. Allerdings dürften sich leichte Geschlechterunterschiede messen lassen, da bei den Trägern des Y-Chromosoms vermutlich Teile der im Hirn befindlichen sogenannten „Schmerzmatrix“ aktiviert werden; ein neuronales Verschaltungsmuster, das für unsere Empathie in Sachen Schmerz verantwortlich ist. Wenn Freud Recht hatte. Für ein paar Menschen mag es wirklich nur Gemüse sein, und zu den o.g. Gruppierungen lassen sich noch die Menschen hinzuaddieren, die Spargel weder kennen, noch mögen. Darüber habe ich noch keine Nachforschungen angestellt. Ergebnisse anderer Beobachter sind mir stets willkommen!

Gez.
C.G. - Heldin der Wissenschaft in spe