Dienstag, 19. Februar 2013

Die gefallenen Frauen

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Bald ist wieder Weltfrauentag. Viele Bewohner unserer Breiten scheinen diesen Tag für überflüssig zu halten (immerhin dürfen Frauen in einzelnen Kantonen der Schweiz schon ab 1990 wählen…), doch als Frau hat man allen Grund, die Rechte der Geschlechtsgenossinnen an diesem Tag feiern und ihre Einhaltung anmahnen zu wollen. Denn auch in Europa hatten einige Frauen bis in die 90er Jahre hinein unter schlimmen Misshandlungen zu leiden (von Zuständen in islamischen Theokratien heutzutage ganz zu schweigen).

Auf eines dieser Phänomene möchte ich in diesem Post besonders aufmerksam machen – und selbstverständlich hat es mit der katholischen Kirche zu tun. Aber keine Sorge, auch die Protestanten und Muslime tragen mit haarsträubenden Geschichten bei.
Es soll um die so genannten Magdalenenheime gehen. Diese Institutionen operierten fast das gesamte 20. Jahrhundert über in Irland; rund 30.000 Frauen gerieten in ihre Mühlen und wurden auf grausamste Weise missbraucht und ausgenutzt.
Die Magdalenenheime wurden von den Priestern und Nonnen des Magdalenenordens gegründet, benannt nach der Prostituierten, die als reuige Sünderin und „13. Apostel“ Jesus begleitete und ihm am Ende sogar die Füße waschen „durfte“. Gegründet wurden diese Heime, die meist Wäschereien waren, ursprünglich, um Prostituierte, „gefallene Frauen“, von der Straße zu holen und sie zu resozialisieren; ihnen Arbeit und Unterkunft zu bescheren. Innerhalb kurzer Zeit jedoch wandelte sich offenbar das Selbstverständnis des Ordens; Frauen wurden aus verschiedenen Gründen und ohne Prozesse oder Vorankündigungen in die Heime verschleppt. Wenn sie zu promiskuitiv schienen oder unverheiratet schwanger waren, wenn sie von einem Familienmitglied missbraucht worden waren und so Schande über die Familie gebracht hatten, wenn sie Waisen waren oder – wenn sie einfach nur zu hübsch waren.
Dort angekommen, mußten sie die Namen „heiliger“ Frauen annehmen oder wurden schlicht durchnummeriert, um fortan in den Wäschereien oder Fabriken unbezahlt Sklavenarbeit zu leisten, die meisten von ihnen noch Kinder. Dabei durften sie weder mit der Außenwelt, noch miteinander kommunizieren, sonst wurden sie drakonisch von den Aufsicht führenden Nonnen bestraft. Das ging so weit, daß junge Frauen darüber benachrichtigt wurden, daß ihre Mutter gestorben war - und zwanzig Jahre lang unerkannt und sich nach Kontakt sehnend an ihrer Seite gearbeitet hatte.
Die Mädchen schrubbten Korridore, bis ihre Knie bluteten und arbeiteten oft bis zum Umfallen oder gar dem Tod. Tausende Mädchen und Frauen haben die Zeit in diesen Einrichtungen nicht überlebt und endeten in anonymen Massengräbern. Andere berichten von dutzenden Selbstmordversuchen. Und wer zu fliehen versuchte, wurde von der Polizei wieder zurückgebracht und kahl geschoren.
Die Frauen flohen nicht nur vor der schweren Arbeit, sondern auch vor der Erniedrigung, die sie nur aufgrund ihres Geschlechts erfahren mußten. So wurden die Brüste abgebunden und sie mußten sich einmal in der Woche nackt ausziehen und vor den versammelten Nonnen auslachen lassen für ihre „Eitelkeit“. Zu Essen gab es Brot mit Bratfett, verdünnte Milch, wässrige Suppe und zwei Mal im Jahr ein Ei. Wer sein Essbesteck fallen ließ, mußte vom Boden essen und von dort um Vergebung betteln.
Maureen Sullivan, eine der wenigen Frauen, die ihr Schweigen brachen, berichtete von einem Vorfall in ihrer Jugend: sie hatte über Läuse geklagt und wurde in der Folge von den Nonnen regelrecht gefoltert: „Sie nahmen eine Schere und eine Stahlbürste und rissen damit an meinen Haaren, bis mir das Blut vom Kopf tropfte.“
Staat und Polizei nahmen das nicht nur hin, sondern kollaborierten sogar. Diese Frauen mußten all dies nur wegen ihres Geschlechts ertragen. Nun; wer sich mit der Geschichte der katholischen Kirche auseinandersetzt, wird nicht verwundert darüber sein, daß solche Dinge in Gottes Namen geschehen sind. So hat der Vatikan die Preisverleihung an einen Film, der sich intensiv mit der Thematik auseinandersetzt, scharf kritisiert.

Hier wird auf zwei Weisen deutlich, welch manipulative Kraft die Kirche durch ihre Hauptinstrumente - wie Angst und Misogynie – innehat. Die Psyche aller Beteiligten wurde so schlimm beeinflußt, daß sich die unterdrückten Frauen auch nach ihrer Entlassung und bis zur Schließung des letzten Heims 1996 (!) nie über ihre Erlebnisse zu sprechen trauten. Steve Humphries, ein Filmemacher, der die Aufklärung ins Rollen brachte, suchte lang nach Überlebenden, die sich trauten, darüber zu sprechen und wurde erst bei zwei terminal krebskranken Frauen fündig, die im Angesicht des Todes endlich den Mut fanden, ihre Geschichte zu erzählen. Den Frauen wurde so lange und so erfolgreich eingebläut, daß sie wertlos seien, daß sie es nie als ihr Recht betrachteten, über diese schrecklichen Erlebnisse zu sprechen. Die Psyche dieser Mädchen und Frauen wurde systematisch zerstört.
Und das – dies ist der zweite große manipulative Akt – von Frauen. Ein besonders perfides System, dessen sich erfolgreiche sexistische Systeme schon lange und erfolgreich bedienen; paternalistische Männer bringen Frauen dazu, im Namen Gottes oder irgendeiner Obrigkeit andere Frauen zu foltern und zu töten, ihre Leben zu zerstören und dabei auch noch das Gefühl zu haben, das Richtige zu tun. Das ist die bösartigste Form misogyner Manipulation, die ich mir vorstellen kann. (Und sie funktioniert – wie man hervorragend am Beispiel tausender religiöser Mütter sehen kann, die ihre eigenen Töchter rituell verstümmeln. )
Männer – hauptsächlich Priester und Familienväter – bestimmten, wer in ein solches Heim verschleppt wurde, Frauen besorgten den Rest.

Doch nicht nur die Katholiken machten sich hier die Hände schmutzig: in England gab es bis in die 70er Jahre auch zahlreiche solcher Heime, die von Protestanten geführt wurden. Und es hört nicht auf: die Magdalenenorden betreiben solcherlei Einrichtungen noch immer, mittlerweile jedoch verstärkt in Asien und Afrika.
Das war die Realität für mitteleuropäische Frauen. Bis vor weniger als 20 Jahren.

Und weil ich so viele schlimme Kommentare von Männern gehört und gelesen habe, die finden, Frauen sollten sich jetzt mal nicht so anstellen, habe ich noch einen kleinen Bonus von unseren Freunden aus dem nahen Osten. Solche Dinge geschehen Frauen auch jetzt noch. Vermutlich passiert ähnliches genau jetzt hunderten Frauen in Saudi-Arabien oder dem Iran.

Hier zum Beispiel ist ein Bild aus einem islamischen „Handbuch“, das in einer Grafik anschaulich darlegt, wie Frauen vor einer öffentlichen Steinigung zu präparieren sind.


Hier ein Bericht von einem muslimischen Kleriker, der seine fünfjährige Tochter anal vergewaltigt hat, danach versuchte, die Fissuren mit Verbrennungen wieder zu „kitten“ und sie anschließend tötete, weil er „Zweifel an ihrer Jungfräulichkeit“ anzumelden hatte. Er zahlte ein paar tausend Euro Strafgeld und muß keinerlei Strafe absitzen: klick.

Zuletzt etwas für starke Nerven; wer hier klickt, gelangt zu einem Video einer Frau, die öffentlich ausgepeitscht wird – natürlich von Männern. Die Polizeibeamten lachen und geben an, Spaß zu haben.
Und wenn jetzt noch ein einziger Mensch behauptet, der Weltfrauentag sei nicht mehr nötig, so empfehle ich ihm, auf einen anderen Planeten auszuwandern. 

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Quellen: 
- Film: Sex in a cold climate
- Film: Die unbarmherzigen Schwestern
- SPON: "Gequält in Gottes Namen", 2003
- Zdf-Mittagsmagazin 19.02.13
- In God's Name, The Guardian, 7.02.13